Schon einmal Titten Tina‘s Kieztour erlebt? Das ist ein ganz besonders Erlebnis, wie die Hamburger locker mit ihrem legendären Rotlichtviertel umgehen. Ich genoss dies Vergnügen vor kurzem in einer kleinen Truppe. Zwei Drittel meiner Gruppe gehörten dem weiblichen Geschlecht an. Nur, damit das mal klar ist! Also, Treffpunkt beim EAST nahe der Reeperbahn, in deren Esspalast wir uns für die Tour ausgiebig gestärkt hatten.

Titten TinaTitten Tina wehrte gleich zu Anfang enttäuschte Blicke ab und klärte uns auf, dass das mit den Titten eben nicht so sei, wie es manche erwarten. Wie man sehen könne, sei da noch viel zu wenig und sie mache diese Führungen nur, um auf ein paar neue voluminösere Exemplare zu sparen. Kleiner Scherz zum Anfang wohl jeder Führung :-). Nach einem Schnäppschen für jeden ging‘s weiter mit ihr vorneweg: statt wie anderswo üblich Regenschirm-bewaffnet hier mit einem kleinen rosafarbenen Dildo-Stab. Das Schlusslicht sollte unser „Chef“ bilden – mit einem rosa Stab in der Hand. Richtig glücklich sah er damit allerdings nicht aus…

Titten Tina

Rock, Jacke und Haare ebenfalls in Rosa getaucht – führte uns mit ihrem frech-charmanten Mundwerk an die legendären Orte auf Deutschlands sündigster Meile. Zur Großen Freiheit vorbei an den Bars zum Beatles-Platz. Dort huldigen die Hamburger die vier Pilzköpfe, die hier im „Indra“ 1960 ihre Karriere starteten. Man muss auf den Boden gucken, denn der Platz ist wohl die größte begehbare Langspielplatte der Welt. Weiter zum Hans-Albers-Platz. Legendär der Streifen und die gleichnamige Filmmusik Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. Tina verteilte das nächste Schnäppschen und forderte zum Mitsingen auf  – unter der bronzenen Statue des Hamburger Volksschauspielers. Einige von uns (die aus Hamburg oder die aus München?) zögerten. Ihnen war das wohl peinlich: eine schunkelnde Meute – umgeben von unauffällig wartenden Frauen.

Kieztour„Die Ritze“

Weiter zur berühmten Davidwache. Die bekannteste Polizeistation Hamburgs bewacht das kleinste Revier Europas. Dafür hat sie wohl die allergrößte „Polizei“-Leuchtschrift. Ab in die Szenekneipe „Zur Ritze“, berühmt-berüchtigt wegen der weit gespreizten Frauenbeine am Eingang. Eigentlich bloß Bierkneipe, Raucherkneipe und viele Foto-Erinnerungen an die vergangenen Jahrzehnte. Doch das Besondere der „Ritze“ liegt im Untergrund: Über eine schmale Wendeltreppe steigt man in den Boxkeller mit seinem legendären Boxring hinab. Hier wurden schon Weltmeister gemacht. Schauspielschüler und Freizeitboxer üben manchmal im Ring. Oben in der Bar wurden auch öfters Udo Lindenberg oder Jan Fedder beim Drink gesichtet. So wie wir beim Kurzen (Norddeutscher Korn *brrr*).

Schlussszene: Abstieg in die kleine „Tinas Lounge“. Nach dem guten Wein im EAST und den Schnäppschen sehe ich fast doppelt: Aber nein, Titten Tina gibt es tatsächlich zweifach. Doppelpack in Pink für sehr spezielle Kiez-Touren. Nun gibt’s Musik von der Gitarre und die Show-Einlage einer verdammt dünnen Bikinidame an der Stange.

Und dann zurück ins Hotel? Nein, einige (komplett bekleidete) Damen unserer Truppe nahmen mich mit in die Thai-Oase auf der Großen Freiheit. Meine erste Begegnung mit einer Karaoke-Bar. Aber das wäre eine eigene Geschichte :-).