Die Arbeit bei Holidaycheck bringt es mit sich, dass man von Freunden & Bekannten ständig nach Geheimtipps und speziellen Reiseangeboten gefragt wird. Aus diesem Grund ist es unumgänglich, gelegentlich die touristischen Brennpunkte aufzusuchen und vor Ort investigativ zu recherchieren. Gesagt, getan, mein Kollege Daniel machte sich mit seinen Kollegen Christoph und Johannes auf den Weg nach Stockholm, um auf den Spuren von Sylvia Sommerlath das geheimnisvolle schwedische Volk zu erforschen.

Als Vorwand für unsere Reise wählten wir ein NHL-Eishockeyspiel in Stockholm, in Wahrheit ging es uns darum, die schwedische Seele eingehend zu erforschen. In Schweden laufen überall Elche herum, jeder Zweite fährt Volvo, es gibt einen etwas größeren Möbeldiscounter, Alkohol ist unbezahlbar und die Schweden sehen alle deutlich besser aus als der Durchschnitts-Erdenbewohner, so zumindest unser massenmedial geprägtes Bild von Schweden vor der großen Reise. Um das Fazit vorweg zu nehmen, es ist alles viel schlimmer! Hier unser kurzer Erfahrungsbericht:

Nach einem aufwühlenden Ryanair-Flug kamen wir voller Vorfreude kurz nach Mitternacht in Stockholm an. Die T-Bana, die landeseigene U-Bahn fuhr nicht mehr, also musste ein Taxi herhalten. Da wartete auch schon die erste Überraschung auf uns, selten habe ich so einen rasant arbeitenden Taxameter gesehen. Dieses erste Highlight hatte dann auch den stolzen Preis von 48 €, nicht schlecht für 3,5 km. Daran war aber vermutlich der schwächelnde Euro schuld, darin waren wir uns einig. Zusätzlich gab es von Siegfried, unserem Taxifahrer, gleich noch ein paar Tipps zu den angesagtesten Hotspots der schwedischen Metropole.

Am nächsten Morgen stürzten wir uns dann nach einem landestypischen Frühstück in die Touristenmassen zwischen Djurgarden und Stadshagen. Wir bewunderten das königliche Schloss, den Reichstag, flanierten durch die schmalen Gassen von Gamlastan und waren davon beeindruckt, dass sich Hunderte Menschen ordnungsgemäß in Reih und Glied stundenlang bei einer Ausstellung der chinesischen Terracotta Armee anstellten?!? Alles schön und gut, aber nichts was Einen jetzt vom Hocker reißt. Das war uns aber vorher klar, unser Ziel war sowieso Södermalm, das Berlin Kreuzberg Stockholms. DER In-Bezirk. Dort angekommen genehmigten wir uns im Beefeaters Inn (wer mal hinkommt, unbedingt ein Friskaschnitzel bestellen!) erstmal ein paar landestypische Getränke namens Öl. Wir Deutschen nennen das Ganze Bier, allerdings zahlen wir höchstens auf der Wiesn 7 € und mehr für einen Humpen. In Stockholm ist das normal, also war das schon mal geklärt. Im Laufe des Abends besuchten wir noch den ein oder anderen In-Schuppen und lernten dabei die skurrilsten Typen kennen. Was aber bei uns allen Dreien auf absolutes Unverständnis stieß, war die unfassbar entspannte und freundliche Art, die das schwedische Volk so an den Tag legt. Kontaktscheue Menschen bekommen vermutlich Angstzustände, denn man hat absolut keine Möglichkeit, den  redegewandten Stockholmern auch nur im Geringsten auszuweichen.

Und das alles in einer so sympathischen Art, dass es fast weh tut. Weitere Beispiele gefällig? Es ist völlig normal, dass ein Schwede an einer kostenpflichtigen Toilette die Tür solange aufhält, bis der Nächste reinschlüpfen kann. Die U-Bahn-Karte funktioniert nicht? Kein Problem, man wartet keine Minute, schon öffnet ein freundlicher Mitbürger das Drehkreuz mit seiner Karte, auch wenn er sich dafür eine Neue kaufen muss. Selbst der strengen Türsteherin im Debaser-Rockclub konnte man nicht böse sein, als sie uns mit ihrer zuckersüßen Reibeisenstimme nett aber bestimmt darauf hinwies, dass ein prall gefülltes Bierglas nichts im Raucherbereich zu suchen hat. Absolut richtig.

Ich könnte hier jetzt noch eine Unmenge weiterer Beispiele nennen, aber diese haben im HolidayCheck-Blog nichts zu suchen. In unserer ureigenen Kreativität schufen wir dann direkt das geflügelte Wort „schwedeln“ als Synonym für all das Gute im Menschen, was den Skandinaviern wohl in die Wiege gelegt wurde. Die Anfrage zwecks Aufnahme im Duden läuft bereits…

Unseren letzten Tag in Stockholm verbrachten wir dann mit unserem neuen Freund Gunnar, welcher es sich nicht nehmen ließ und uns noch ein paar unentdeckte Perlen Stockholms zeigen wollte. Aus dem Besuch bei Carl Gustav wurde aus Zeitmangel leider nichts, dafür wissen wir jetzt, wo es den besten Kaffee Schwedens gibt, was schwedische Messehostessen über uns Deutsche denken und was es mit dem Studiengang Parapsychologie an Stockholms Uni auf sich hat.

Einen letzten Schockmoment mussten wir verdauen, als uns klar wurde, dass der Stockholmer Hauptbahnhof erst um 5 Uhr morgens öffnet. Blöd, wenn man seinen Koffer im Schließfach hat und halb 4 zum Flughafen muss. Aber ein paar Polizisten öffneten spontan den

Bahnhof und ließen uns zu den Schließfächern. Unglaublich? Nö, völlig normal wenn man in Schweden ist.

Nach diesem ereignisreichen Wochenende waren wir uns einig, dass Schweden ein wundervolles Land ist, welches man jedem uneingeschränkt ans Herz legen kann. „Die Ärzte“ hatten schon recht, Schweden ist ein „gottverdammtes Wohlfühl-Land“ (http://www.youtube.com/watch?v=R2p8-2T_ONc). Die Menschen lassen jegliche Hektik absolut vermissen und sind dermaßen offen, dass man als von Stress geplagter Mitteleuropäer fast schon ein schlechtes Gewissen bekommt. Stockholm hat drei neue Fans gewonnen, wir werden uns jetzt wohl öfters mal dort blicken lassen. Wir haben uns echt bemüht, die dunklen Seiten Stockholms aufzudecken, leider ohne Erfolg. Wer da einen Tipp hat, wir sind gespannt!

Vielleicht noch kurz ein paar Worte zur Ausgangsthese: Elche haben wir nur auf dem Teller gesehen, Volvos gibt es tatsächlich in einer großen Dichte und zumindest die Schwedinnen taugen (fast) alle für ein Coverfoto auf der Sports Illustrated. Über die männlichen Schweden wollten wir uns kein Urteil erlauben. Und vielleicht stimmt das ja alles gar nicht und wir waren vom Stark-Öl bzw. der positiven Grundstimmung zu sehr benebelt. Es sollte sich wohl jeder selbst ein Bild über die Nordeuropäer und ihr Land machen.