Was lange währt wird endlich gut! Nachdem wir zunächst den Saisonstart am Arlberg wegen zu wenig Schnee verpassten und uns Anfang Januar zuviel Schnee, verbunden mit Lawinensperrung des Arlbergpasses und der Skigebiete, unsere Pläne durchkreuzte, war es nun endlich soweit: Der Arlberg mit seinen berühmten Skigebieten St. Anton und Lech/Zürs stand auf dem Plan der PistenChecker. Wie es uns zwischen Vorarlberg und Tirol gefallen hat, erfahrt ihr im 6. Teil unserer PistenCheck-Serie.

Die Wiege des alpinen Skilaufes

So wirbt das Gebiet gerne bei seinen Gästen. Bereits seit 1901 gibt es den Arlberg Skiclub. Gegründet vom Skipionier Hannes Schneider, welcher seinerzeit mit der „Arlbergtechnik“ das moderne Skifahren revolutionierte. St. Anton und St. Christoph (Tirol) bilden mit Stuben (Vorarlberg) ein verbundenes Wintersportgebiet. Zudem ergänzen die Skigebiete Lech/Zürs/Zug aus dem Vorarlberg das Gebiet „Ski Arlberg“ mit seinen insgesamt 282 Pistenkilometern.

Perfekte Bedingungen auf der Piste...

Perfekte Bedingungen auf der Piste…
. und abseits der Piste

… und abseits der Piste

Tunnel oder Pass

Nach Lech/Zürs gelangt man am besten über den Arlbergpass und den Flexenpass. St. Anton ist einfacher zu erreichen. Aus Richtung Osten (Innsbruck, München) geht es durch den 14km langen Arlbergtunnel (8,50 € One-Way) oder über den Pass. Aus westlicher Richtung (Schweiz, Bregenz) erreicht man beide Skigebiete über die Inntalautobahn und verlässt anschließend die Arlbergschnellstraße kurz vor der Tunneleinfahrt.

Mondäner Arlberg

Die beiden Arlberger Skigebiete gehören nicht nur zu den größten Skigebieten der Alpen, sondern auch zu den glamourösesten. Beide brauchen den Vergleich zu Kitzbühel, Davos, St. Moritz oder Zermatt nicht zu scheuen. Die Preise für Unterkünfte sowie auf und neben der Piste spiegeln diesen Anspruch ebenfalls wieder. Dennoch ist im Vergleich zu z.B. St. Moritz der Schicki-Micki-Faktor erfreulich gering. Kurzfristige Buchungen und spontane Restaurantbesuche gestalten sich aber aufgrund der Beliebtheit und begrenzten Größe eher schwierig. Es empfiehlt sich also schon frühzeitig in die Planung für ein Wochenende einzusteigen.

Traumwetter unter Topbedingungen

Wie erwähnt machten uns Schneemassen am vorherigen Wochenende einen Strich durch die Rechnung. Da es auch unter der Woche reichlich geschneit hatte, wurden wir nun mit fast 5m Schnee entschädigt. Als sollte das nicht genug sein, zeigte sich auch das Wetter von seiner besten Seite: Sonne pur bei knackigen -10 Grad und nahezu Windstille. Perfekte Ski- und Snowboardbedingungen, wooHoo.

Ulmer Hütte auf 2285m

Ulmer Hütte auf 2285m

Skigebiete Albonagrat, Valluga & Rendlspitze

Das Skigebiet um St. Anton teilt sich in drei wesentliche Bereiche auf. Das recht kleine Gebiet oberhalb von Stuben, welches sich über den Albonagrat zur Alpe Rauz zieht. Das Hauptskigebiet um St. Christoph und St. Anton. Hier geht es bis auf 2811m mit der Gondel zur Valluga. Leider war dieser Lift für Wintersportler gesperrt, da der zur Rückkehr notwendige Schlepplift an der Knoppenjochspitze wegen Lawinengefahr gesperrt war. Es sollte die einzige Bahn bleiben, die wir an diesem Wochenende nicht fahren konnten. Das dritte Teilskigebiet liegt rund um die Rendlspitze und ist besonders am Nachmittag zu empfehlen, da hier im Allgemeinen weniger Ansturm ist und das Gebiet noch in der Sonne liegt.

Stanton Park

Im Rendlskigebiet findet sich auch der einzige Funpark des Skigebietes. Neben einer Rookie Line und der Pro Line fanden wir hier auch eine Jibline. Durch den separaten Parklift mussten wir uns nicht mit den „normalen“ Skifahrern anstellen. Von der Sonnenterrasse des Rendl Restaurants hatten wir zunächst einen perfekten Überblick über den gesamten Park, bevor wir uns selber an diverse Boxen und Kicker wagten. Der Park ist im Verhältnis zum Skigebiet recht klein geraten, auch eine Halfpipe oder Quarterpipe sucht man vergeblich. Für uns hat es ausgereicht, aber Pros dürften in Laax oder Sölden eher auf Ihre Kosten kommen.

Tiefschnee wohin man schaut!

Tiefschnee wohin man schaut!

Freeride Eldorado

Laut eigenen Angaben gibt es rund um St. Anton 180km unpräparierte Piste zum freeriden. Wir waren zu großen Teilen nur auf diesen Pisten unterwegs, hielten uns aber aufgrund fehlenden Lawinenausrüstung in Sichtweite zur Piste. Tiefschneeaction war trotzdem garantiert. Zwar konnten wir leider nicht am Vallugagrat powdern, der Schindlerkar jedoch gehört zumindest am Vormittag uns. Hier erschloss sich uns ein riesiges Schneefeld mit vielen Varianten und Naturkicker in den Tiefschnee. Wer für das Üben eines Backflips nicht extra in die Freestyle Academy nach Laax fahren will, war an diesem Tag hier genau richtig. Im Nachhinein erwies sich unsere Entscheidung den Schindlerkar als aller erstes zu fahrne als goldrichtig. Da nur ein alter und langsamer Zweiersessellift zur Schindlerspitze führt, entstehen nach 10 Uhr sehr schnell lange Warteschlangen. Am Nachmittag war es dann auch schon vorbei mit unberührten Schnee und Powder. Wir waren halt leider doch nicht ganz allein unterwegs…

Skigebiet Lech, Zürs & Zug – Mehr Schnee geht nicht

Am zweiten Tag verschlug ist uns dann ins Schneeloch nach Lech/Zürs, neben Warth-Schröcken eines der schneereichsten Skigebiete der Alpen. Bevor man einen Tagesauflug oder eine Wochenende hier plant, gilt es den Wetterbericht zu checken. Man erreicht das Skigebiet nur über den Arlbergpass und Flexenpass. Bei viel Schnee kann es passieren, dass der Urlaub unplanmäßig verlängert werden muss oder gar nicht angetreten werden kann. Glücklicherweise war auch am zweiten Tag Petrus unser Freund und wir hatten ähnlich gute Bedingungen wie am Vortag. Da es in Zürs meist recht schwierig ist einen Parkplatz zu finden, fuhren wir mit dem Bus von der Alpe Rauz bis nach Zürs. Autofahrer sollten hier am besten direkt den Parkplatz an der Trittkopfbahn benutzen.

Weißer Ring

Unser Ziel war eines der bekanntesten Skikarusells der Alpen, der Weiße Ring. Wir stiegen an der Zürserseebahn in die knapp 22km lange Runde ein. Weiter Möglichkeiten zum Einstieg gibt es an der Seekopfbahn in Zürs, der Rüfikopfbahn in Lech und der Zugerbergbahn. Hier findet mit dem weißen Ring Rennen auch das längste Skirennen der Welt statt. Mitte Januar treffen sich jedes Jahr ehemalige Weltcup Athleten, Freizeiskifahrer und verschiedene A- und B-Promis zum Wettlauf gegen die Uhr. Den Rekord hält der ehemalige Abfahrtsweltmeister Patrick Ortlieb mit ca. 44 Minuten. Wir ließen es jedoch langsam angehen und wurden mit einem tollen Panorama über die Lechtaler Alpen bis hin nach Warth-Schröcken belohnt. Dennoch war genug Zeit um die Runde, mit unterschiedlichen Variationen, noch ein zweites Mal abzufahren.

Aprés Ski

Wer richtig Party machen möchte, sollte am besten nach St. Anton gehen. Der Moserwirt dürfte allen Apré Ski Fans bereits aus RTL2 bekannt sein. Auch dem Krazy Känguru, direkt an der Piste, kann man sich nur schwer entziehen. Leider fanden wir Abends keine Möglichkeit zurück zur Ulmer Hütte, weswegen wir den letzten Jägertee noch vor dem letzten Skilift nehmen mussten. In Lech/Zürs geht es eher gediegener zu. Champagner & Prosecco statt Glühwein und Lumumba. Am ehesten ist hier noch die Bergstation am Zugerberg Sessellift zu empfehlen. Gute Stimmung und laute Musik lassen einen für kurze Zeit die Fahrt entlang des weißen Rings unterbrechen.

Fazit

Traumwetter in einem absoluten Topskigebiet. Gerade für Freerider kann man St. Anton und Lech/Zürs mit zum Besten zählen, was die Alpen hergeben. Für Snowboarder enttäuscht lediglich der Park ein wenig. Es fehlt für ein solch großes Skigebiet einfach eine Halfpipe und auch die Parks in Lech und im Rendlgebiet sind lediglich Durchschnitt. Das einmalige Skigebiet rund um den Arlberg lässt sich die Region auch gut bezahlen. Neben Kitzbühel und Ischgl sicherlich das teuerste Skigebiet Österreichs, aber auch eines der Besten.