UrlaubWie viel Urlaub steht uns Arbeitnehmern eigentlich zu? Und darf man Resturlaub mit ins neue Jahr nehmen oder ihn sich gar ausbezahlen lassen?

Trotz fester Regelungen herrscht oft Unklarheit und so verfallen manch wertvolle Urlaubstage.

Gerade jetzt, da sich das Jahr dem Ende neigt, häufen sich die Fragen nach noch nicht genommenen Urlaubstagen. Wir klären auf, wie viel Urlaubsanspruch Angestellte haben.

 

Rein rechtlich kann der Resturlaub nicht ins neue Jahr mitgenommen werden. Urlaub dient im Sinne des Bundesurlaubsgesetztes (BurlG) der Erholung und soll daher im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Ausnahmen für eine Übertragung sind dringende betriebliche oder persönliche Gründe. Möglich ist auch eine betriebliche Übung: War der Arbeitgeber die letzten Jahre mit der Übertragung des Urlaubs auf das Folgejahr einverstanden, so darf man sich darauf einstellen, dass dies auch in diesem Jahr wieder möglich ist.

Es lohnt zudem der Blick in den Arbeitsvertrag oder eine direkte Anfrage beim Chef. Auch Tarifverträge enthalten oftmals abweichende, wohlwollendere Regelungen.

Tatsächlich gewähren viele Betriebe eine Übertragung ins neue Jahr, allerdings muß der Urlaub dann in den ersten drei Kalendermonaten genommen werden – am 01.04.2010 verfällt er endgültig.

Alternativ möchten viele Beschäftigte ihren Resturlaub ausbezahlt bekommen.

Dies ist gesetzlich nicht vorgesehen, laut EuGH verstoße die finanzielle Vergütung gegen die EU-Arbeitszeitrichtlinie (AZ: C-124/ 05). Ausnahmen hiervon gelten bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Hier wäre ein Verfall unbillig und so kann man sich die übrigen Tage ausbezahlen lassen.

Erkrankt man während des Urlaubs ist dies zwar ärgerlich, jedoch werden ärztlich attestierte Krankheitstage nicht auf den Urlaub angerechnet. Wichtig hierbei ist, dass die Arbeitsunfähigkeit, und nicht nur eine Krankheit attestiert wird!
Ist man zu der Zeit im Auslandsurlaub, muss man dem Arbeitgeber umgehend die voraussichtliche Krankheitsdauer und die Aufenthaltsadresse mitteilen. Möchte man den Urlaub um die Krankheitstage verlängern, muss man sich das Einverständnis des Arbeitgebers vorher einholen – auf keinen Fall eigenhändig weiter urlauben!

Eine interessante Mischung: Das Landgericht Mainz (AZ: 9 Sa 163/09) bestätigte kürzlich in einem Urteil, dass ein Beschäftigter, der von November 2007 bis August 2008 wegen Krankheit arbeitsunfähig war, noch den vollen Anspruch auf Ausgleichszahlung für den übrigen Resturlaub für 2007 und 2008 hatte, da das Arbeitsverhältnis kurz darauf endete.

In vielen Betrieben wird im ersten Quartal des neuen Jahres bereits die Urlaubsplanung für 2010 festgelegt. Zumindest der längere Jahresurlaub muss dann angegeben werden und viele Arbeitnehmer stellen sich die Frage, inwieweit sie selbst über den Urlaubszeitpunkt bestimmen dürfen.

In erster Linie muss der Arbeitgeber bei der Urlaubsgewährung nach den Wünschen des Beschäftigten gehen, wenn nicht wichtige Gründe entgegen stehen. Beispielsweise ist im Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft eine wichtige betriebliche Belange, weshalb zu dieser Zeit Urlaub abgelehnt werden kann.
Ebenso haben Eltern vor kinderlosen Kollegen Vorrang, was die Schulferienzeit betrifft.

Ein einmal gewährter Urlaub kann übrigens nicht widerrufen werden. Selbst extreme Ausnahmefälle von diesem Grundsatz gab es in der Praxis bisher kaum. Man darf also getrost seine Reisebuchungen vornehmen und sich auf die bevorstehende Erholungszeit freuen.

Deutsche Arbeitnehmer dürfen im europaweiten Vergleich neidvoll auf ihre Nachbarn schauen, deren gesetzliche Urlaubsansprüche zum Teil deutlich höher sind.
Gemessen an einer 5-Tage Woche gewährt das deutsche BUrlG 20 bezahlte Urlaubstage. Grossbritannien und Polen gehören zu den Spitzenreitern, China und Kanada liegen dagegen noch weiter unter deutschem Niveau.

(Tarif-) vertraglich sind in Deutschland zum Glück oft zusätzliche Urlaubstage darüber hinaus vereinbart, so dass es uns insgesamt gesehen gar nicht so schlecht geht 😉

 

Abschließend bleibt nur zu sagen: Besser, sich den Urlaub sichern und unter Palmen liegen als vor Ärger auf die Palme zu gehen…