Für den Fall, dass ihr in eurem Urlaub Mängel feststellen solltet, haben wir euch ein paar Tipps zum Thema Reiserecht vorbereitet. Weitere Unterstützung findet ihr in Form des Musterschreibens. Außerdem könnt ihr euch im Falle eines Falles an der Frankfurter Tabelle orientieren. Diese zeigt euch grob auf, welche Preisminderungen ihr bei Reisemängeln gegebenenfalls einfordern könnt.

 

Solltet ihr am Urlaubsort Reisemängel feststellten, müsst ihr diese sofort beim zuständigen Reiseleiter anzeigen. Ansonsten verliert ihr eure Ansprüche. Zur Beweissicherung ist es immer sinnvoll, die Mängel schriftlich zu dokumentieren und sie vom zuständigen Reiseleiter abzeichnen zu lassen. Es empfiehlt sich, bei der Reklamation beim zuständigen Reiseleiter Zeugen hinzuzuziehen, die ihre Reise nicht gemeinsam mit euch gebucht haben. Dies ist hilfreich im Fall der Fälle, dass sich der Reiseleiter weigert, eure Mängelanzeige entgegenzunehmen. Auf Mängelanzeigen an der Hotelrezeption könnt ihr euch grundsätzlich nicht berufen, es sei denn, im Reisekatalog oder in alternativen Dokumenten des Reiseveranstalters finden sich diesbezüglich Regelungen.
Für die Mängelbeseitigung ist dem Reiseveranstalter stets eine realistische Frist zu setzen. Soweit eine sofortige oder zeitnahe Mängelbeseitigung nicht möglich ist, kann eine Frist für ein Ersatzangebot gesetzt werden.
Sämtliche Mängel sollten augenblicklich durch Fotos und/oder Videos und/oder hinzugezogene Zeugen festgehalten werden. Mündliche Zusicherungen durch den Reiseleiter oder andere Personen in ähnlichen Rollen sind in der Regel nicht hilfreich.
Solltet ihr während eures Urlaubs erkranken und dies mutmaßlich auf das Essen des Hotels zurückführen, so empfiehlt es sich noch vor Ort andere Reisende anzusprechen. Am besten ihr bringt noch während des Urlaubs in Erfahrung, ob sie unter ähnlichen Beschwerden bzw. Krankheiten leiden. Sollte dies der Fall sein, notiert euch den vollständigen Namen bzw. die ladungsfähigen Anschriften der anderen Reisenden. So könnt ihr potenzielle Ansprüche geltend machen.
Bevor ihr euch am Urlaubsort entschließt, euch auf eigene Faust ein anderes Hotel zu suchen oder gar die gesamte Reise abzubrechen, solltet ihr idealerweise telefonisch einen Anwalt kontaktieren. Es handelt sich bei einem Reiseabbruch aufgrund von Mängeln mitunter um komplexe rechtliche Fragen, die erhebliche finanzielle Verluste für euch bedeuten können.
Nach der Rückkehr aus dem Urlaub sind Ansprüche aus dem Reisevertrag gemäß § 651 g Abs. 1 BGB innerhalb eines Monats nach vertraglich vorgesehener Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen. Dies solltet ihr aus Gründen des Zugangsbeweises per Einschreiben/Rückschein tun. Die Mängel sollten einzeln und möglichst detailliert aufgeführt werden. Es ist ratsam einen konkreten Geldbetrag aufzurufen. Es empfiehlt sich hierzu die Frankfurter Tabelle zur Reisepreisminderung heranzuziehen. Sollte euch ein Reiseveranstalter nach der Reklamation einen Reisegutschein anbieten, so müsst ihr diesen nach ständiger Rechtsprechung nicht akzeptieren. Euch steht vielmehr eine Rückzahlung zu.
Sollte euch der Reiseveranstalter einen Verrechnungsscheck anbieten, beachtet, dass ihr diesen nicht einlösen dürft, wenn ihr das Angebot nicht akzeptieren wollt. Es gibt Entscheidungen in der Rechtsprechung, die in der Einlösung des Verrechnungsschecks einen Verzicht auf weitere Gewährleistungs-/Minderungsansprüche sehen. In der Regel empfiehlt es sich, das vom Reiseveranstalter abgegebene Angebot bzw. die Zurückweisung der Ansprüche durch einen auf das Reiserecht spezialisierten Anwalt überprüfen zu lassen, da nicht selten zu niedrige Beträge angesetzt oder Erstattungen verweigert werden.
Für den Fall, dass außergerichtlich keine Einigung mit dem Reiseveranstalter zu erzielen ist, achtet unbedingt darauf, dass Ansprüche einem Großteil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zufolge ein Jahr nach vertraglich vorgesehener Beendigung der Reise verjähren. In den meisten Fällen wird sich aufgrund des außergerichtlichen Schriftwechsels zwar eine Hemmung der Verjährung ergeben. Sichert euch dennoch gegen das Risiko der Berechnung komplizierter Fristen ab, indem ihr frühzeitig einen spezialisierten Anwalt aufsucht.

 

Falls ihr weitere Fragen zum Thema „Reiserecht und Reisetipps“ habt, schaut doch mal in unserem Reiseforum vorbei.