Istanbul. Schon der Name weckt orientalische Gefühle. Und noch mehr der Name Konstantinopel, wie die Stadt noch bis 1930 hieß. Meine erste Begegnung hatte ich schon als kleiner Junge, als ich stolz das Buch „Räuber Hotzenplotz“ aus der Stadtbücherei heimtrug. Kaspar und Seppel aßen zu gerne Pflaumenkuchen mit Schlagsahne. Trotz Bauchwehs danach wollten sie mit keinem Menschen tauschen – auch nicht mit dem Kaiser von Konstantinopel. Keine Ahnung damals, wo denn dieses Konstantinopel liegt…

Blick vom Galata-Turm nach Asien

Also, Ankunft im heutigen Istanbul. Flotte Fahrt vom Atatürk-Flughafen in die Altstadt, in der unser Hotel liegt. Von einem jungen Paar geführt. Gerade mal 16 Doppelzimmer und eine wunderschöne Dachterrasse fürs Frühstück. Oder abends für einen Absacker und den Blick schweifen lassen. Beim Rotwein. Am letzten Abend dann doch noch den Raki leergemacht. Blick aufs  Marmarameer, auf dem die großen Pötte vor Anker liegen, bevor sie am nächsten Morgen einer nach dem anderen durch den Bosporus gelassen werden. Oder, Schwenk nach links, Blick auf die fernen Prinzeninseln.  Zimmer nach hinten raus ist wichtig. Vorne ist nämlich eine große Straße, halbstündlich eine vorbeirauschende Eisenbahn und davor noch zwischen den Häusern ein hoch umzäunter Fußballplatz für Studenten. Die spielen bei Flutlicht gerne mal bis Mitternacht. Also unbedingt hinten raus wohnen. Wunderbar! Drumherum übrigens lauter Holzhäuser aus der osmanischen Zeit der Stadt.

Gewöhnungsbedürftig ist nur der Muezzin-Ruf gegen vier Uhr morgens. Mitten in der Nacht! Was heißt da überhaupt der  Muezzin-Ruf! Das sind gefühlt Hunderte, die von allen Minaretten dieser Stadt herunterrufen. Und das auch noch Lautsprecher-verstärkt in alle vier Himmelsrichtungen. Wie in einem Sänger-Wettstreit. Es gehört aber einfach dazu! Man nimmt es wie Folklore. Meine Frau konnte nach der ersten Nacht immer wunderbar weiterschlafen, es sei schließlich so schön beruhigend …

Hagia Sophia, Süleymaniye-Moschee, Topkapi-Palast mit ehemaligem Harem, eine Seefahrt zu den Prinzeninseln, kurzer Trip rüber zum asiatischen Teil. Und hoch in das Viertel hinter dem Galata-Turm. Okay, sollte man alles gesehen haben. Da geben die einschlägigen Reiseführer und unsere Forum-Mitglieder genügend Tipps.

Ein Eingang zum Großen Basar

Aber das Tollste für mich ist der Große Basar. Und die Altstadt drumherum mit dem Gerberviertel. Da wird gehandelt, gefeilscht. Selbst ich, der ungern shoppen geht, weil ich bloß zielgerichtet einkaufen kann, hatte einen Heidenspaß (schönes Wort in diesem Zusammenhang). Erst teilnahmslos gucken, dann bei Nennung des Preises ein zerknirschtes, unzufriedenes Gesicht machen. Wenn das Angebot immer noch hoch erscheint, Anstalten machen zu gehen. Dann wird man gleich verfolgt und soll ein Gegenangebot machen. Das natürlich einiges niedriger, weil der Händler auch seinen Erfolg haben will und danach ein höheres Gegen-Gegenangebot macht. Auf der Mitte trifft man sich. So jedenfalls macht’s meine Frau, übrigens eine professionelle Einkäuferin. Knallhart, aber so geht’s. Und zuletzt noch der Blick auf den Ehemann, weil angeblich nur der das Geld hat. Ich setze sofort eine noch zerknirschtere Miene auf. Nee, soviel willst Du dafür ausgeben? Also nochmals 5 Lire runter. Das Ganze ist wie ein großes Spiel, das für uns Festpreis verwöhnte Deutsche eher ungewöhnlich ist.

Süßes und Gewürze

Und was gibt es auf dem Basar zu kaufen? Eigentlich alles und das auch noch echt oder gut gefälscht. Ein Paar Prada-Schlappen, eine gut gemachte Handtaschenkopie. Ein paar echte neue Ledergürtel und jede Menge Kaschmir-Seide-Schals. Und Gewürze/Gewürzmischungen im Ägyptischen Basar. Ach, ganz nebenbei, es gibt nicht wenige Händler, die schnell auf Deutsch umschwenken: Mal vier Jahre bei Opel gearbeitet, mal zehn Jahre in Berlin gelebt…

Nach jedem langen Basar-Besuch fliehen wir. Irgendwann ist Schluss mit ständiger Anmache, ständigem Feilschen. Das strengt an und obendrein schmerzen die Füße vom vielen Herumlaufen. Nur noch schauen und dann schön Essen gehen. Das geht! Oben im Stadtteil Beyoglu. Da fährt eine historische Tram durch die lange Einkaufsstraße. Wie Osnabrück. Nur um ein Vielfaches größer (und zugegeben eine schönere Architektur). Das Straßenbild ist schlagartig anders. Keine Kopftücher, keine Anmache, sobald man stehenbleibt. Eine Metro fährt unter dem Galata-Turm hoch. Gleich oben fängt ein großes Ess- und Kneipenviertel an. Teils studentisch geprägt.

Tram in der Einkaufsstraße

Essen gehen in der Amali Mescit Cadessi. Eine Straße mit etlichen Lokalen. Eigentlich wollen wir in den Journalisten-Treffpunkt, aber finden nur noch  Platz gegenüber in einem anderen Einheimischen-Lokal. Wir kommen bei Rotwein (wir) und Raki (die Einheimischen) bald ins Gespräch und erzählen von unseren Touri-Erlebnissen. Dass wir unten bei der Hagia Sophia in einem Lokal abgezockt werden sollten. Das Restaurant hatte frech unter dem Gesamtbetrag noch eine „Tax“ verlangt. Zufällig anwesende Fremdenführer schüttelten nur den Kopf. Dann unsere Tischpartner oben bei Wein und Raki: Nein, schrecklich! Ja, typisch, das gebe es auch nur in den Touristenvierteln! Also, hier bei den Einheimischen-Kneipen gäbe es so etwas überhaupt nicht. Da sind wir erst mal beruhigt. Dann bringt der Wirt die Rechnung. Ich verschlucke mich beinahe an meinem Rotwein. Unseren Tischnachbarn präsentiere ich lachend die frische Rechnung aus einer echten Einheimischen-Kneipe. Da steht schon wieder „Tax“. Betretenes und entsetztes Schweigen. Und dann diskutieren die Stammgäste mit dem Wirt. Oh, peinlich peinlich!

Alles in Allem: Ich würde sofort wieder nach Istanbul reisen! Viel erlebt und viel Spaß gehabt.

…und natürlich habe ich direkt nach meiner Rückkehr eine ausführliche Hotelbewertung für euch zum Nachlesen geschrieben!