Neuseeland – Land der Schafe, Gletscher, Kiwis und Hobbits. Im Pazifischen Ozean, hinter Australien, am Ende der Welt. Von Deutschland aus eine Weltreise, von Australien aus (wo ich mich zu der Zeit befand) nur ein kurzer Flug – also nichts wie hin!

Ich treffe die (auf den ersten Blick unvernünftige) Entscheidung, nicht auf dem normalen Weg zu reisen, sondern mit „Daumen raus“. Diese Art des Reisens ist nicht ganz ungefährlich, aber ich habe mich ausgiebig informiert und bin zu dem Schluss gekommen: Wenn per Anhalter, dann durch Neuseeland. Das Land der grünen Wiesen und Schafe zählt zu den sichersten Reiseländern der Welt und der Ruf der freundlichen Menschen eilt ihnen weit voraus.

Auckland

Nach zwei Tagen in der Metropole Auckland mit viel Sightseeing, Vorbereitung und Shopping (Kalt ist es in Neuseeland!) geht das Abenteuer endlich los. Daumen raus und – nichts passiert. Geschlagene zwei Stunden stehe ich am Straßenrand, bis mich endlich jemand mitnimmt. Und gleich der erste Schuss ien Treffer! Die nette Dame lauscht erst ganz gespannt meinen Erzählungen, bis sie mich kurzerhand zu sich nach Hause einlädt. Ja klar, gerne!

Wow. Tennisplatz, Pool, Spa… was für ein Glück! Während sie ein typisch neuseeländisches Abendessen zubereitet, nimmt ihr Sohn mich mit zum Strand. Wir machen einen gemütlichen Spaziergang, gönnen uns dann ein Gläschen Sekt im Whirpool und setzen uns an eine üppig gedeckte Tafel: Lammbraten, Süsskartoffeln, Gemüse und Minzsauce. Lecker! Nach einem tollen Abend falle ich erschöpft, satt und glücklich in ein vorgewärmtes Bett. So kann es weitergehen! Am nächsten Tag zaubert sie noch ein fantastisches Frühstück und da sie eh grad nichts zu tun hat, fährt sie mich noch ein Stückchen weiter Richtung Süden 🙂

An einer Kreuzung steige ich aus und werde prompt von einem Van voller Engländer mitgenommen, die mich direkt nach Wellingston bringen. Von dort soll es mit dem einzig öffentlichen Verkehrsmittel, der Fähre, auf die Südinsel gehen. Leider erst 1:30 Uhr morgens. Die Zeit verbringe ich zitternd und im Halbschlaf in meinen Schlafsack eingerollt in der Kälte.

Fähre von der Nord- zur Südinsel

Ankunft Picton, 5 Uhr morgens. Eisregen und zwei Stunden warten. Die Stimmung erreicht den Nullpunkt. Was hab ich mir nur dabei gedacht? Schleppend geht es mit diversen Mitfahrgelegenheiten von Ort zu Ort bis zum nächsten Glücksgriff: Ein deutsches Pärchen mit Wohnmobil hält an und nimmt mich mit. Nach kurzem Smalltalk stellt sich heraus, dass sie auch aus Konstanz sind, noch dazu direkt um die Ecke wohnen – was für ein verrückter Zufall!

Nun geht es also die Ostküste hinunter. Whalewatching in Kaikoura, atemberaubende Landschaft, Stadtleben in Christchurch bis zu deren vorläufigen Ziel: Waimate. Von dort hangel ich mich weiter nach Wanaka, weiter über die Cadrona-Bergstraße (Wahnsinnsausblick!), vorbei an Queenstown bis nach Te Anau. Endlich da!

Milford Sound

In Te Anau gibt es nämlich die berühmten Glühwürmchenhöhlen, die ich unbedingt sehen muss! Mit dem Boot geht es in eine stockdunkle Höhle, ich verliere jegliches Gefühl für Raum und Zeit und da sind sie plötzlich: tausende glitzernde Sterne am Höhlenhimmel. Faszinierend!

Am nächsten Tag fahre ich nach Milford Sound. Von dort aus startet ein Bootstrip zu den traumhaften Seen. Glasklares Wasser, bizarre Felsen und gigantische Wasserfälle. Es sieht schon fast aus wie eine skandinavische Fjordlandschaft. Ich bin im Neuseeland meiner Träume angekommen!

Queenstown

Zurück in Queenstown verliebe ich mich auf Anhieb in die Stadt! Wie aus dem Bilderbuch bettet sie sich in wunderschöne Berg- und Gletscherlandschaft. Und noch dazu ist mein Geburtstag! Ich feiere mit ein paar Leuten aus dem Hostel (das deutsche Pärchen ist auch wieder dabei) in einem typischen Pub und genieße den Abend (den besten Burger der Welt gibt es bei Ferg Burger!).

Meinen vorletzten schon… Eigentlich wollte ich mir zum Geburtstag einen Bungee-Sprung schenken, getraut habe ich mich am Ende dann doch nicht. Ein bisschen bereue ich es jetzt noch… Von Queenstown geht’s zurück nach Auckland (mit dem Flugzeug!) und von dort wieder Richtung Australien.

Neuseeland

Bis bald, Neuseeland!

Wie war es also, per Anhalter durch Neuseeland zu fahren? Ich würde es jederzeit wieder machen! Man sieht ein Land mit ganz anderen Augen, kommt in engen Kontakt mit den Einheimischen, erfährt ihre Geschichten, lernt tolle Leute kennen, geht an seine Grenzen. Unbeschreiblich! Leider war meine Reise viel zu kurz, was bleibt ist aber der Anreiz, diese wundervolle Land am Ende der Welt eines Tages wieder zu besuchen!