Meine Reise nach China beginnt mit einer 24-Stunden-Zugfahrt. Aber nicht in irgendeinem normalen Bummelzug, sondern im Expresszug, der ohne Halt von Hong Kong nach Peking fährt. Ich rechne bei solchen Fahrten ja schon immer mit dem Schlimmsten… und werde vollkommen überrascht: supermodern und luxuriös!

Peking

Zug Hong Kong – Peking

Von Hong Kong nach Peking

Ich habe ein Bett in einem 4-er Abteil gebucht (Soft Sleeper, gleich 2.Klasse) und das große Glück, das Abteil für mich alleine zu haben. Die Betten sind gemütlich und zu jedem gehört ein kleiner eingebauter LCD Fernseher. Es gibt einen Tisch, heißes Wasser und sogar eine Topfpflanze. Hier fühle ich mich wohl!

Die Fahrt ist sehr angenehm und die Stunden fliegen nur so dahin. Natürlich gucke ich viel aus dem Fenster, aber was ich da sehe, ist eigentlich immer gleich: Reisfelder, soweit das Auge reicht! Und immer mal wieder vereinzelt ein altes Mütterchen, das sich mit krummen Rücken über die Pflänzchen beugt. Am folgenden Tag gegen Mittag rollen wir bei strahlendem Sonnenschein in den Hauptbahnhof von Peking ein! Hallo China!

Peking

Bei Ankunft Baustelle!

Peking, da bin ich!

Der Weg zum Hostel ist ein Abenteuer! Die Straße zu meiner Unterkunft ist komplett aufgerissen und überall wuseln etliche Bauarbeiter durch die Gegend, keine Sicherheitsvorkehrungen, keine Absperrungen… und ich mittendrin. Zwischenzeitlich verliere ich beim Klettern über irgendwelche Gräben meinen Schuh und komme klitschnass geschwitzt und völlig außer Atem in meinem Hostel an.

Das Guesthouse ist noch aus ganz ganz ganz früherer Zeit, wann genau weiß ich nicht, aber es ist ein altes chinesisches Courtyard Haus. In der Mitte ist ein zentraler Innenhof, von dem die Zimmer im ersten Stock abgehen. Und alles in der klassischen chinesischen Architektur, wunderschön!! Es liegt in einem typischen Hutong-Viertel, einem chinesischen Wohnviertel mit kleinen Gassen, öffentlichen Toiletten und Waschhäusern und viel Dreck und Lärm.

Am Abend marschiere ich direkt noch zum Platz des Himmlischen Friedens, der nur etwa zehn Gehminuten entfernt ist. Die Stadt ist das reinste Chaos, überall Lärm, Dreck, Gespucke und Gekreische. Nach einem chinesischen Abendessen und einem Bier falle ich erschöpft ins Bett.

Peking

Im Hutong unterwegs

Morgens erkunde ich meine Nachbarschaft, spaziere durch die Gässchen, gucke in Wohnzimmer, Schlafzimmer, Hinterhöfe und probiere mich durch die verschiedenen Garküchen.

Nachmittags mache ich mich auf den Weg in die Verbotene Stadt. Ich muss leider sagen, ich bin etwas enttäuscht. Natürlich ist es Wahnsinn, was für eine Geschichte auf dieser Stadt lastet, aber ich habe es mir etwas eindrucksvoller vorgestellt. Vielleicht bin ich einfach mittlerweile etwas abgestumpft von den vielen vielen Tempeln, die ich auf meinen Asien-Reisen bisher gesehen habe.

Beijing KaoYa – Peking-Ente

Nach einer kurzen Verschnaufpause beschließe ich, das traditionelle Essen der Stadt zu probieren: Peking-Ente! Wer von euch gerne in ein deutsches China-Restaurant geht, denkt sich „Ach ja, die esse ich auch gerne…“. Weit gefehlt. Die echte Peking-Ente wird auf eine ganz besondere Art serviert: Man nimmt einen kleinen Pfannkuchen, dippt ein Stück Ente in dicke braune Sauce, legt sie auf den Pfannkuchen, dazu ein paar Frühlingszwiebeln, rollt es ein und steckt es sich in den Mund…. 🙂

Peking

„secret wall“

Am nächsten Tag stehe ich noch vor Sonnenaufgang auf uns begebe mich auf eine lange Fahrt. Ziel: Die Chinesische Mauer! Wie eigentlich fast alles, was ich während meiner Reisen unternehme, ist auch diese Tour keine typische Touristentour, sondern eine ganz spezielle Wanderung zur „secret wall“. Und siehe da, tatsächlich! Weit und breit kein einziger Tourist (unser kleines Grüppchen ausgeschlossen). Wir haben einen chinesischen Führer, geschätzte 80 Jahre alt, der flink wie ein Wiesel über Stock und Stein kraxelt. Die 4-stündige Wanderung an und auf dem ursprünglichen Teil der Mauer ist wahnsinnig anstrengend, aber unglaublich toll!

Im Anschluss an die Tour gibt es noch ein Mittagessen bei einer lokalen Familie und da begegnet mir dann auch mein erster gekochter Hühnerfuß. Augen zu und durch, denk ich mir, so schlimm wird es schon nicht sein. Ist es aber doch und prompt setzt mein natürlicher Würgereflex ein. Ups.

Nachmittags folgt eine wundersame Begegnung. Nach der langen Wanderung will ich mir in einer Apotheke Pflaster für meine Blasen kaufen. Die Apothekerin schaut mich lange an, murmelt vor sich hin und hält mir schließlich eine Tinktur unter die Nase. Sie mustert mich ernst und sagt „Gegen deine Krankheit“ … Bittte??? Ich bedanke mich und sage, dass es mir gut geht, aber sie zeigt immer wieder in mein Gesicht und dann in den Spiegel. Und mit einem Mal verstehe ich es. Sie meint meine Sommersprossen!! Oje, ich versuche ein Lachen zu unterdrücken, damit die arme Frau ihr Gesicht nicht verliert, bedanke mich freundlich und verlasse schnell den Laden. Großartig!

Peking

Insekten-Büffet

Das Insekten-Büffet ist eröffnet!

Weiter geht es auf meiner Entdeckungsreise…zur Snackstreet – ich will Insekten essen!! Zur Auswahl gibt es alles was das Insektenliebhaberherz begehrt und noch vieles mehr… Skorpione in verschiedenen Größen und Farben, diverse Käferchen, Maden, Larven sowie Schlangen, Schafspenisse, Seesterne und -pferdchen und -igel und vieles mehr.

Ich entscheide mich kurzerhand für Wasserkäfer und Seidenraupe am Spieß. Das ist doch mal was! Lecker!!!!! Oder auch nicht. Der Käfer ist noch OK, die Raupe hingegen einfach nur widerlich.

Die Reste spüle ich mit einem dampfenden Trockeneis-Blaubeersaft runter und entschuldige mich förmlich bei meinem Magen für diese ungewöhnliche Nahrungszufuhr. Danach schaue ich mir noch eine wahnsinnig tolle Kung-Fu-Show an, streune durch die Gassen und lasse die Stadt auf mich wirken.

Das ist Peking. Es gefällt mir nicht ganz so gut wie Hong Kong, alles ist grau und hässlich und laut und dreckig und stinkig. Aber genau das habe ich ja auch erwartet! Eine tolle Erfahrung!!!

Nächstes Abenteuer: Mit der transmongolischen Eisenbahn nach Ulaanbaatar!