Zigarren, Rum und Salsa. Das ist die wohl häufigste Assoziation mit der karibischen Insel, die da irgendwo unter Florida liegt. So geht es mir auch, als ich mit meinem kubanischen Freund auf Heimatbesuch gehe. Er will die Familie besuchen und mir das Land zeigen, ich will vor allem eins: ganz viel kubanische Lebensfreude aufsaugen.

Unser Mietwagen

Let the Roadtrip begin…

In 21 Tagen bereisen wir 13 Städte, schlafen in 14 Hotels und fahren rund 2300 Kilometer. Immer dabei, unser Mietwagen, ein weißer Geely, den es mehr in die Werkstatt als auf die Straße zieht. Ich entscheide mich bei der Reise für die verantwortungsvolle Aufgabe der Navigatorin, denn eins weiß ich schon bei der Wagenabholung: Selbst fahren will ich hier nicht. Mit drei verschiedenen Straßenkarten fühle ich mich perfekt ausgerüstet, um uns über die Insel zu lotsen. Ich muss jedoch schnell feststellen: Was bringt die beste Karte, wenn es keine Schilder gibt, die auch nur erahnen lassen, ob man auf dem richtigen Weg ist? Von befahrbaren Straßen mal ganz zu schweigen…

Zum Glück gibt es hilfsbereite, ortskundige Einheimische und wie sagt man so schön? Eine Hand wäscht die andere. Dieser Grundsatz gilt auch auf Kuba und bedeutet: Info nur gegen Gegenleistung. Alle, die wir nach dem Weg fragen (und das kommt ziemlich häufig vor, die Anzahl kann nur noch geschätzt werden) wollen ein Stückchen im komfortablen klimatisierten Auto mitfahren. Bei dem kaum vorhandenen Verkehrsnetz und einem Bus, der ca. ein Mal am Tag fährt, ist das natürlich das mindeste, was wir den hilfsbereiten Kubanern anbieten können.

Zigarrenherstellung

Zigarren-Mekka Kuba

Unsere erste Station ist Havanna. Das pulsierende Herz Kubas, eine Stadt voller Gegensätze. Halb verfallene Bauten, bunte Oldtimer und restaurierte historische Gebäude bestimmen das Straßenbild. Wohin man auch geht, Musik schallt aus alten Plattenspielern und zeigt deutlich: Hier herrscht ein komplett anderes Lebensgefühl als in Deutschland. Und wir sind bereits mittendrin.

Nach dem ersten Sonnenbrand und einer Menge Sightseeing geht es über die „autopista“ (eine teils 6! spurige Straße, die überwiegend von Fahrrädern und Eselgespannen genutzt wird. Bei den schlechten Straßenbeschaffenheit aber auch nicht weiter verwunderlich) nach Pinar del Rio.

Diese Region ist das berühmte Tabakanbaugebiet der Insel. Selbstverständlich statten wir einem alt eingesessenen Tabakbauern einen Besuch ab und werden in die Geheimnisse der Zigarrenherstellung eingeführt (an diesem Punkt der Reise ist die Freimenge an Zigarren bereits aufgebraucht).

Köstliches Essen

Wir essen in einem sogenannten „Paladar“, einem privaten Restaurant, bei Einheimischen zu Hause und erleben unseren ersten Total-Stromausfall. Das passiert auf Kuba häufiger und löst bei den Leuten weder Panik noch Wut aus – wie in allen anderen Lebenslagen wird einfach improvisiert und das Beste aus der Situation gemacht. Eine Taschenlampe ist von dort an mein treuer Handtaschenbegleiter.

Weiter geht es nach Ciénaga de Zapata. Mitten im Sumpfgebiet, nur mit dem Schnellboot zu erreichen, liegt unser Hotel. Nachdem unsere Koffer trotz der hohen Geschwindigkeit unversehrt ankommen, ruderte uns und ein netter Angestellter mit purer Muskelkraft zu unserem Wasserbungalow. Ursprünglich und schön, so lässt sich diese Erfahrung wohl am besten beschreiben.

 

Romantischer Sonnenaufgang

Natur pur

Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen entschädigte dann auch für nächtliche Ruhestörung und einen angeknabberten Hut durch kleine „Untermieter“.  Die morgendliche Ruderboottour durch die Sümpfe ist unbeschreiblich schön – einziger Wermutstropfen ist der ca. 75 jährige Guide, der uns rudert. Ein unangenehmes Gefühl, wenn junge gesunde Menschen von einem betagten Senior über das  Wasser gefahren werden. Aber so ist das eben auf Kuba und daran muss ich mich wohl oder übel gewöhnen.

Zwischenstopp in Cienfuegos. Wir schlafen im charmanten kleinen Hotel Palacio Azul. Von der Dachterrasse dieses blauen Juwels beobachten wir einen spektakulären Sonnenuntergang, vielleicht den schönsten der ganzen Reise. Voller Tatendrang geht es dann weiter in die bunte, lebenslustige Stadt Trinidad. Obwohl uns das tiefblaue karibische Meer anlacht, entscheiden wir uns für eine Wanderung im Nationalpark „Topes de Collantes“.

Spektakuläre Natur

Abenteuer Dschungel

Nach 45 Minuten nervenaufreibender Fahrt erreichen wir irgendwo im nirgendwo den Startpunkt unseres Abenteuers. Die nächsten drei Stunden zeigt uns unser Guide die Flora und Fauna Kubas. Sattes Grün, kleine Wasserbecken und riesige Bäume erwarten uns auf unserem Weg durch die beeindruckende „Dschungellandschaft“.

Lang und beschwerlich ist die Fahrt nach Camagüey. Doch wir werden belohnt. Unser Hotel liegt direkt in der Altstadt, von unserem Zimmer haben wir einen tollen Blick auf die umliegenden Kirchen. Bei einer Stadtrundfahrt entdecken wir auf einem kleinen Kopfsteinplatz gegossene Statuen. Ein Abbild zeigt einen Mann lesend auf einer Bank. Direkt daneben sitzt das menschliche Abbild, in der gleichen Position, mit der gleichen Kleidung und der Zeitung vom Tag des Porträts. Als Touristenmotiv verdient er sich so ein paar Pesos dazu. Am Abend lassen wir unseren Aufenthalt in der drittgrößten Stadt Kubas bei einem rauschenden Straßenfest ausklingen.

Banana!

Familienbesuch auf kubanisch

Nächster Stopp: Fünf Tage Familienbesuch in Las Tunas. Dass ich herzlich aufgenommen werde, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen. In dieser Zeit passe ich mich dem kubanischen Lebensstil an: Im Schaukelstuhl genieße ich die Tage, während im Hintergrund das beruhigende Summen des Fernsehers zu hören ist.

Ich besuche mit der Familie meinen ersten richtigen kubanischen Wochenmarkt (jetzt weiß ich, wo das Fleisch wirklich herkommt und wie ein ganzes Schwein aussieht), schaue mir mein erstes Baseballspiel an und lerne Unmengen Verwandte kennen.  Drei Grundregeln des kubanischen Lebens nehme ich aus Las Tunas mit: 1. Der Fernseher läuft immer. 2. Die Türen stehen allen immer jederzeit offen. 3. Der Schaukelstuhl ist immer belegt.

Schweren Herzens geht die Reise dann weiter nach Bayamo und Santiago de Cuba, bevor wir den Strandteil unseres Urlaubes einläuten. In Santa Lucia und Varadero verbringen wir tolle, entspannende Tage, schwimmen mit Delfinen und genießen auf Cayo Blanco ein Panorama, das direkt aus einem Barcardi Werbespot entsprungen sein könnte.

Paradiesisch: Kubas Strände

Paradiesische Karibik

Zum Abschluss unserer Rundreise kehren wir wieder nach Havanna zurück und verbringen die letzte Nacht standesgemäß in Kubas ältestem Hotel Nacional de Cuba, bevor uns der Flieger wieder zurück ins kalte Deutschland bringt. Ein bisschen traurig und wehmütig fühlen wir uns, aber: Die kubanische  Lebensfreude und ein bisschen Temperament habe ich natürlich vorsorglich in den Koffer gepackt…

Was bleibt noch zu sagen? Kuba ist definitiv eine Reise wert, die Menschen sind trotz vieler Probleme so fröhlich und aufgeschlossen, wie vielleicht nirgendwo anders auf der Welt.

Landschaftlich hat Kuba so viel mehr zu bieten, als nur die Strände in Varadero. Die volle Schönheit zeigt sich erst bei einer Rundreise. Dafür braucht man allerdings gute Spanischkenntnisse, eine Menge Geduld und Nerven aus Stahl. Passt man sich erst einmal der kubanischen Mentalität an, steht einem traumhaften Urlaub, bei dem man nicht nur das Land sondern vor allem auch die Leute kennenlernt, nichts mehr im Wege.

Eins steht jetzt schon fest, wir werden wieder kommen…

Ein großes Dankeschön geht übrigens an unsere private Salsa-Lehrerin, die in ihrem Wohnzimmer mit aller Macht versuchte mir die kubanische Leichtfüßigkeit beizubringen. Ich arbeite weiterhin daran 🙂