Die Herbstferienzeit fällt bei uns in Süddeutschland ja immer erst auf den November. Auf dem Plan stehen dieses Mal drei Tage Berlin mit dem Sohnemann. Ideal für eine Städtetour! Günstigen Flug ab Zürich gebucht, Jugendstilhotel nahe Kurfürstendamm gebucht und los ging’s.

Erster Tag: Gang runterschalten und nicht zu viel vornehmen. Erstmal die Stadt wirken lassen. Wer aus Richtung Bahnhof Zoo kommt, sollte den 100-er oder 200-er Doppelstockbus nehmen. Umgekehrt natürlich auch! Beide fahren Zoo – Alexanderplatz. Der eine oben rum, der andere unten rum, aber beide schließlich ab „Unter den Linden“ auf gleicher Strecke. Die beiden Buslinien sind die beste Möglichkeit, Berlin „von oben“ zu sehen. Wir stiegen in der Nähe des Brandenburger Tors aus. Ich würde am ersten Tag dann weitergehen bis zum Alex. Rechts und links die preußischen Prunkbauten.

Wir kamen bloß bis zur Friedrichstraße und bogen rechts ab. Checkpoint Charlie, Mauermuseum. Sehenswert aber auch bedrückend. Anschließend sehnten wir uns nur noch nach Essbarem. Besuch in den Hackeschen Höfen. Der Sohn war danach wie erschlagen und suchte erschöpft unser Hotel auf. Die Eltern fuhren zurück: nördlich des Bahnhofs Friedrichstrasse liegt das Restaurant Tucholsky. Da wollten wir unbedingt hin. Bei leckerem Essen und Wein alte Fotos und Schriftstücke aus Tucholskys Zeit an den Wänden begutachten. Schön gemacht. Unser Sohn hat uns Tage zuvor kichernd Ein Ehepaar erzählt einen Witz vorgelesen. Kennt ihr den?

Unser zweiter Tag begann staatstragend. Rauf auf die Kuppel des Reichstaggebäudes. Aufgepasst: möglichst früh buchen. Da kommt zwar jeder Bürger rein, muss sich aber wegen der Sicherheitskontrollen vorher anmelden. Termine gibt es im Viertelstundentakt. Möglichst eine Woche vorher, am besten noch früher! Einfach das Online-Formular der Bundestagsverwaltung ausfüllen und abschicken. Das ging völlig unkompliziert. Oben auf der Kuppel liegt einem die Stadt zu Füßen. Herrliche Aussicht!

Anschließend haben wir wirklich den Weg Richtung Alex eingeschlagen. Unterwegs Einkehr im Berliner Dom. Als Südstaatler wähnt man sich wegen der prunkvollen Ausgestaltung in einer katholischen Kirche. Spätestens der Blick hoch zu den Statuen erinnert daran, dass wir im ehemaligen Preußen stehen: Luther und Zwingli grüßten von oben herab.

Danach ging es zum Landwehrkanal: Wunderbar essen und trinken kann man vor und in den Kneipen am Paul-Linke-Ufer in Kreuzberg. Bei schönem Wetter auch direkt am Kanal. Unser Sohn wollte natürlich noch unbedingt zu Madame Thussaud’s. Tipp: erst am späten Nachmittag hingehen. Da gibt es kaum Warteschlangen. Hier hieß es dann: Fototermin. Sohn mit Obama, Sohn mit Einstein (werde ihn an die Mathearbeit erinnern!), Sohn mit den Beatles undundund. Der Autor schließlich läßt sich von Shrek beissen. Fußlahm beendeten wir den Tag in zwei (!) der Kneipen unserer Hotel-Straße.

Dritter Tag. Raus aus der Stadt! Ab nach Sanssouci. Hier gibt es Preußen pur. Der Regionalexpress hält sogar in Sanssouci-Park, zwei Stationen hinter dem Hauptbahnhof Potsdam. Der Fußweg durch den Park ist geradezu eine Erholung zur ewigen Steinwüste Berlins. Führung durch das Lustschloß Sanssoucis mit Audioguide. Vorneweg eine Führerin zum Türen-Aufschließen. Ihre Stimme ertönt nur noch bei jeder zweiten Führung. Gespart wird auch bei Preußens. Aber echt sehenswert!

Was fehlt? Mmh, fast alles! Ich wollte mal wieder in die Berliner Unterwelten, auf die Museumsinsel/ins Pergamon-Museum, abends in den Wintergarten, mit meinem Sohn ins Deutsche Currywurstmuseum und vieles anderes. Drei Tage sind zum Schnuppern da. Wir kommen wieder!