Ein Besuch im Magic Kingdom von Disney World Orlando ist wie ein Marathonlauf: Wenn der Schmerz erst überwunden ist, folgt Euphorie. Beim Marathon gibt es diesen toten Punkt nach etwa 30 Kilometern. An diesem entschiedet der Läufer: Weiterlaufen – oder anhalten, aufhören, aufgeben?

Durchstehen – oder dem Notruf eines geschundenen Körpers folgen und von der Straße gehen. Bei Disney World steht dieser Punkt dagegen direkt am Anfang: 265,20 Dollar Eintritt für zwei Erwachsene und ein Kind… das ist mal eine echte Ansage! Durch den Kopf schießen die Alternativen: Gerettete Urlaubskasse, heulendes Kind, stinksaure Lebensgefährtin… Vielleicht kann ein Besuch in der Outlet Mall auf dem Rückweg die Gemüter beruhigen? Die „Shopping Queen“ in der Familie bin aber eher ich. Der Gedanke an einen alternativen Tageshöhepunkt wird deshalb schnell ins Reich der Schnapsideen befördert. Also: Kreditkarte raus und der freundlichen Dame über den Tresen geschoben. Ein finanzieller Einsatz, den keiner je bereuen wird.

Kleiner Tipp zum Beginn: Wenn Sie kein Kind haben, dann leihen Sie sich eines! Der Anblick ihrer funkelnden Augen, ihrer Aufregung und dieses Lächelns ist unbezahlbar. Das erste Smile zauberte es meiner Tochter beim Anblick von Cinderellas Traumschloss ins Gesicht. Und es sollte bis zu ihrem Einschlafen auf der Rückfahrt nicht mehr weggehen…

Da war es also: Dieses Schloss. Bekannt von vielen Bildern und Filmen. Hier wohnen die Helden ihrer Märchen: Aschenputtel, Rapunzel, Schneewitchen und die sieben Zwerge,…

Den Rattenfänger von Hameln haben sie dabei nicht vergessen: Kaum angekommen tanzen Captain Buzz Lightyear, Winnie The Pooh, Mickey und Minnie an uns vorbei. In einer großen Parade ziehen sie durch die „Main Street“ (eine Straße mit Häusern im Südstaaten-Look – darin sind v.a. Merchandising- und Food-Shops) und Zuschauer wackeln ihnen hinterher. Vor der Skulptur von Walt Disney feiert man zusammen eine kleine Sause bei zu lauter Elektromusik und Polonaise. Aus Angst etwas zu verpassen, wackeln wir mit. Was wir nicht wissen: Diese Show gibt es hier stündlich zu genießen.

Die Profis pilgern anschließend vor das Märchenschloss und warten auf die große Musicalshow mit „Schöne & Biest“, „Cinderella & Prinz“, „Tinkerbell & Peter Pan“. Da wir noch keine Profis sind, zieht es uns weiter ins „Fantasyland“. Hier sieht es aus wie im Schlumpfdorf (obwohl die nicht zu Disney gehören) und es geht zu wie auf dem Jahrmarkt. In kleinen Fahrgeschäften kann man in Dumbo fliegen, sich in wilden „Alice im Wunderland“-Tassen drehen lassen oder sich in der „Winnie The Pooh“-Geisterbahn erschrecken lassen. Ein Schock, von dem sich meine Tochter schnell erholt, denn weiter geht’s nach „Tomorrowland“ mit Kinos, Fahrgeschäften und einer Old School Kartbahn auf Schienen.

An jeder Ecke warten übrigens Disney’s Figuren. Sie schütteln Hände, nehmen Kinder in den Arm und stehen für Fotos bereit. Die Meet & Greets mit ihnen sind sicherlich die Highlights für alle kleinen Gäste. Amerikanische Kiddies haben deshalb auch immer ein Autogrammheft mit dabei, in denen sich Tigger, Schweinchen, Mickey Mouse & Co. verewigen dürfen.

Der Marathonlauf von Themepark zu Themepark (neben Mainstreet, Fantasyland, Tomorrowland gibt es noch Libertysquare, Adventure- und Frontierland im Dschungel und Wild West-Stil) braucht wegen der vielen kleinen und großen Attraktionen, langen und kurzen Wartezeiten (Hochsaison Frühjahr und Sommer bis zu 1,5 Stunden, Nebensaison 20 Minuten) seine Zeit. Um wirklich alles zu sehen, sollte man deshalb zwei Tage einplanen.

Highlight jedes Tages ist aber in jedem Falle das abschließende große Feuerwerk. Auch wenn die Augen schon müde sind und die Beine schwer, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Mit Lasertechnik wird das Schloss beleuchtet während darüber die Raketen krachen. Das ist der Abschluss eines schönen Tages, der genau jetzt seinen zweiten toten Punkt erlebt: Wir sind platt, beindruckt und müde an einem Tag, der auch die Kinderträume eines Erwachsenen wahr gemacht hat.