Last but not least: Teil 3 meines Reiseberichts: „Mein Jahr in Australien“ (Zum Nachlesen: Teil 1 + Teil 2). Die letzte Etappe führt mich an der Ostküste entlang bis zurück ins gute alte Sydney.

Banana!

East Coast, da bin ich! Leider erwische ich noch die Ausläufer der Regenzeit, das Auto ist undicht, alles wird nass, die Matratze beginnt zu schimmeln, ojeoje… Mein Geld ist auch wieder alle und meine Laune nähert sich dem Nullpunkt. Also noch mal „Fruit Picking“, dieses Mal geht es auf eine Bananenfarm.

Pünktlich um 6.30 Uhr stehe ich am lokalen Postamt in Tully, dem Ort mit den meisten Regenfällen in ganz Australien – und natürlich, es regnet! Das Postamt ist der Treffpunkt für alle, die einen Job suchen oder bereits auf einer Farm arbeiten. Zahlreiche Kleinbusse, Jeeps oder Reisebusse picken ihre Arbeiter auf und bringen sie zu den teilweise weit entfernten Plantagen. Ich habe Glück, die Fahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde.

Meine Farm ist relativ klein, nur 30 Mitarbeiter. Mein Arbeitsplatz ist in der Fabrik am Fließband, acht Stunden am Tag sortiere ich „die guten von den schlechten“. Die Arbeit ist wieder ziemlich hart, viel Stehen und Bücken, dazu noch eine miese Behandlung (Nicht fröhlich sein! Nicht reden!?), und das für einen Stundenlohn von umgerechnet etwa 5 Euro.

Vorsicht, Schlangenalarm!

Die einzige Freude machen mir die vielen kleinen Frösche, die sind wirklich zu niedlich. Je nach Temperatur wechseln sie die Farbe von rot nach grün und hüpfen fröhlich übers Fließband. Vorsichtig sein muss man, wenn man den Job des „Aufreissers“ zugeteilt bekommt.

Einer aus dem Team muss die Plastiktüten, die die Bananen vor Sonnenbrand schützen sollen, von den Stauden reißen. Der Job ist viel einfacher und macht fast Spaß, allerdings verstecken sich hier die Schlangen und man muss höllisch aufpassen, dass diese beim Aufreissen nicht zu sehr erschrecken. Fünf Stück haben mich insgesamt böse angefaucht, zum Glück ist nichts passiert.

Dieses Mal wohne ich im Hostel, hier habe ich etwas Abwechslung, lerne sofort nette Leute kennen und verbringe sehr lustige Abende. Im örtlichen Pub gibt es freitags Bier-Krüge für 4 Dollar, ein Schnäppchen! Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Die Miete ist dafür leider viel teurer als auf der Birnenfarm, ich kann leider viel weniger sparen. Bananen kann ich auch nicht mehr sehen…Aber zur Belohung wartet nach ein paar Wochen Arbeit das Great Barrier Reef auf mich.

In Action

Viele träumen davon, ich habe es gemacht. Der Wahnsinn! Von meinem hart verdienten Geld buche ich einen Luxus-Tagesausflug zum Riff. Nach einer kurzen Schnorcheleinweisung (einmal kräftig in die Brille spucken!) tauche ich ein in eine fantastische Unterwasserwelt. Noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe! Schillernde Fischlein in allen Farben, kunterbunte Korallen und sogar drei Riffhaie leisten mir Gesellschaft. Der Tag vergeht viel zu schnell und ich beschließe, unbedingt noch einmal rauszufahren.

 

Paradiesisch: Whiteheaven Beach

Es folgt die mühsame Instandsetzung des Autos: Trocken legen, ausmisten, aufräumen und auf zur letzten Etappe meiner Reise, die Ostküste hinunter. Ich erreiche Airlie Beach, den Hafen zu den Whitsunday Islands. Ich buche eine Segeltour, drei Tage und drei Nächte auf der Yacht „Spank Me!“. Hört sich super an und ist es dann auch.

Relaxen, schnorcheln, sonnen und an dem wohl schönsten Strand der Welt, Whiteheaven Beach, spazieren gehen. Dort ist der Sand so fein, dass man seinen Schmuck und seine Zähne polieren kann. Traumhaft!

Braungebrannt und voller Energie geht’s weiter nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, nur mit Jeeps befahrbar. Ich entscheide mich für eine „Selfdrive“ Gruppentour, neun Leute in einem Jeep auf eigene Faust. Das klingt nach einer Menge Spaß. Die Straße ist der Sand, gleichzeitig aber auch Start- und Landebahn für Flugzeuge. Was für ein Verkehr 😉

Jeeptour auf Fraser Island

Endlich sehe ich auch die ersten wilden Dingos. Süße Tierchen, trotzdem auch ein bisschen beängstigend, wenn man ihnen nachts begegnet. Da Fraser Island eine beliebte Brutstelle für Tigerhaie ist, dürfen wir leider nicht im Meer baden gehen, obwohl es uns den ganzen Tag so verlockend entgegenplätschert. Allerdings – beim Anblick der etlichen kreisenden Flossen im Wasser, vergeht mir ganz schnell die Lust, ins kühle Nass zu springen…

Als Entschädigung gibt es zauberhafte Süßwasserseen mit Sandstrand und glasklarem Wasser, wie im Paradies!

Auf dem Weg nach Süden stoppe ich noch in Brisbane, einer jungen, modernen Stadt, dann geht’s auch schon langsam wieder zurück Richtung Sydney.

Das Auto dort zu verkaufen ist sicher einfach, denke ich. Aber keine Chance. Eine Woche lang stehe ich in der Tiefgarage des Backpacker-Automarktes, jeden Tag gehe ich mit dem Preis runter, es findet sich einfach kein Käufer, zum Verzweifeln! Kurz bevor mein geliebter Bob zum Schrottplatz soll, klappt es doch noch: für 450 Dollar und einen Kasten Bier kauft ein junger Schwede mein treues Gefährt, er will damit quer durchs Outback fahren… Und ich kann endlich meinen Flug nach Neuseeland und meinen Aufenthalt in Malaysia buchen, aber von diesen beiden Ländern werde ich euch ein anderes Mal erzählen…