Ein Jahr Australien – mein absoluter Traum! Vor ein paar Tagen habe ich euch vom Start meiner spannenden Reise, meinem Leben in Sydney und der anstregenden Arbeit auf einer Birnenfarm berichtet (zum Nachlesen: Teil 1). Heute geht es weiter mit Teil 2: Von Melbourne übers Barossa Valley ins Outback.

Mein treuer Bob

Zurück in der Zivilisation. Ein ordentliches Bett in einem sauberen Hostel, warme Duschen – welch ein Luxus! Und noch dazu genug Geld verdient, um ein Auto zu kaufen. Es wird ein Ford Falcon namens Bob. Von 1500 Dollar auf 900 Dollar runtergehandelt, ich bin ganz stolz auf mich. Die Sitze sind klappbar, ab heute wird im Auto geschlafen. Aber erstmal lernen, auf der linken Seite zu fahren… nach drei Stunden Melbourne-Verkehr klappt das dann schon ganz gut.

 

Auszeit im Barossa Valley

Auf geht’s ins große Abenteuer Outback. Erster Stopp auf dem Weg dorthin ist das kleine Örtchen Torquay, am Anfang der berühmten Great Ocean Road. Die erste Nacht im Auto verläuft nur mittelmäßig, es ist unbequem und erstaunlicherweise bin ich ein wenig ängstlich, allein mitten in der Natur… Am nächsten Morgen werde ich dafür mit einem wunderschönen Sonnenaufgang überm Meer belohnt! Da weit und breit keine Dusche ist, hüpfe ich ganze einfach ins Meer und freue mich wie ein kleines Kind über diese grenzenlose Freiheit…

Kurzerhand beschließe ich, einen Abstecher ins Barossa Valley zu machen und den hiesigen Wein zu probieren. Ich verbringe eine entspannte Woche mit viel Wein und Känguru-Steaks vom Grill und lade meine Akkus so richtig auf.

Letzter Halt vor der roten Wüste ist Port Augusta, das „Tor zum Outback“. Nochmal fix das Auto checken. Aber es ist Ostern, da geht nichts an diesem Ort. Zum Glück finde ich dann doch noch einen hilfsbereiten Mechaniker, der den Auspuff schweißt, Luftfilter wechselt und einen Satz gebrauchter Reifen montiert. Jetzt sind Bob und ich startklar fürs die große Reise!

Stuart Highway

Outback – in meiner Vorstellung rote Weiten, verlassene Schotterwege, hüpfende Kängurus und streunende Dingos. Romantisch, wild und aufregend irgendwie… Ist aber nicht wirklich so.

Der Stuart Highway durchquert Australien zwischen Darwin und Adelaide, ist knapp 3000 Kilometer lang und asphaltiert. Schon nach 50 Kilometern ist es einfach nur heiß (Bobs Klimaanlage funktioniert nicht), trocken und irgendwie langweilig. Und so einsam ist es eigentlich auch nicht. Alle paar Kilometer kommt mir ein Auto entgegen, oder einer der bis zu 54 Meter langen „Roadtrains“, die alles beiseite fegen.

Landschaftlich nur Gräser und ein paar Büsche, hin und wieder ein Funkturm (immerhin funktioniert das Radio!). Kängurus sehe ich viele auf dem Weg, aber die wurden alle überfahren und verbreiten einen furchtbaren Gestank. Naja, trotzdem unheimlich beeindruckend, diese unglaublich weiten Strecken ohne Haus oder Dorf, nur alle paar 100 km ein „Roadhouse“ zum Auftanken oder Übernachten.

Zwischenstopp im Nirgendwo

Zwischenstation in Cooper Pedy, der berühmten Opalgräberstadt mitten im Nirgendwo. Völlig verschlafen, heiß, staubig und dreckig, wie in einem alten Western, nur ohne Cowboys und Schießereien vorm Saloon. Hier begegne ich auch zum ersten Mal den australischen Ureinwohnern – den Aborigines. Ganze Familien sitzen teilnahmslos am Straßenrand herum. Ein trauriges Bild und ein immer noch ungeklärtes Problem der australischen Gesellschaft.

Nett anzusehen sind dagegen die so genannten „Dug-Out“ – Häuser, unterirdische Wohnungen, die vor Sommerhitze und Winterkälte schützen. Und beim „Noodling“ ( Schürfen nach Opalsplittern) finde ich sogar zwei kleine glitzernde Exemplare.

Uluru

Nach ein paar Tagen „on the road“ dann das erste große Ziel: Uluru ( Ayers Rock), das wohl bekannteste Naturdenkmal Australiens! 5.30 Uhr aufstehen, um pünktlich mit rund 300 anderen Touristen den Sonnenaufgang anzuschauen. Es lohnt sich wirklich! Der Felsen leuchtet in den kräftigsten Farben. Innerhalb von Minuten wechselt er von grau über rosa-lila zu feuerrot.

Danach der 10 km Rundweg in kochender Hitze, begleitet von winzigen Fliegen, die bevorzugt in Augen, Mund und Nase kriechen. Am Nachmittag geht es weiter zu Kata Tjuta (Olgas), fast noch spektakulärer als ihr großer Bruder Uluru.

Wieder einmal spontan, wieder einmal eine tolle Idee: Abstecher zum Kings Canyon. Über Schotterpisten mit tiefen Schlaglöchern quält sich der tiefer gelegte Bob Kilometer um Kilometer voran, bis wir endlich erschöpft am Ziel ankommmen. Gute Entscheidung! Wahnsinnige Felsformationen und irre Gesteinsmassen erwarten uns dort! Ich wähle den 6 km langen Kings-Canyon-Walk und genieße den Ausblick über die Steppe. Für mich ist dieser Ausflug sogar noch spektakulärer als der Trip zum Uluru.

Abstecher zum Kings Canyon

Weiter geht es nach Alice Springs, der Oase des Outbacks. Nach Tagen in sengender Hitze, Übernachtungen auf dreckigen Sandplätzen und Duschen mit braunem Wasser fühle ich mich hier wie im Paradies. Ich finde ein zauberhaftes kleines Hostel, geführt von einer jungen Deutschen, die vor Jahren nach Australien ausgewandert ist. Für nur fünf Dollar darf ich in meinem Auto auf dem Parkplatz schlafen und alle Einrichtungen des Hostels benutzen.

Als Erstes stürme ich den riesiegen Supermarkt und versorge mich mit eiskalter Cola und Eis. Ich beschließe, ein paar Tage zu bleiben, bevor ich mich auf den weiten, einsamen Weg in Richtung Ostküste mache – ich freu mich schon aufs Meer!

Wie es mir an der Ostküste Australiens gefallen hat, erzähle ich euch nächste Woche im dritten und letzten Teil meines Reiseberichts 🙂

Habt ihr schon bei unserem Gewinnspiel mitgemacht? Hier geht’s lang: Gewinnspiel Australien.