Partyhochburg und beliebter Urlaubsort junger Menschen, die sich ungezwungen, teils unbekleidet und vorwiegend unausgeschlafen hier ein paar Tage Auszeit vom Alltag nehmen können – das ist Playa del Ingles auf Gran Canaria. Oder sollte ich besser sagen „war“? Denn nicht nur mein persönlicher Eindruck, den ich während meines Urlaubs dort in der vergangenen Woche erhalten habe bestätigt dies. Bar- und Clubbesitzer klagen über Umsatzeinbrüche, Stammgäste wundern sich über das sich verändernde Publikum in „ihrem“ Hotel. Was passiert hier also gerade?

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Das Hotel, in dem ich war, ist seit jeher als „Partyhotel“ für junge Leute bekannt. Pärchen und Familien seien hier eher seltene Gäste, so die Erfahrungsberichte ehemaliger Besucher dieses Hotels. Doch seit letzter Saison und besonders in diesem Sommer ist das Hotel darauf aus, seine Gästestruktur bewusst zu verändern.

Das Resultat dieses Umschwungs – der auch in vielen anderen Hotels stattfindet – ist, dass sich die allgemeine Unzufriedenheit aller Gäste steigert. Partyurlauber fühlen sich unter Familien und Paaren nicht wohl, denen widerum sind die Erstgenannten zu laut. Doch die größte Auswirkung findet außerhalb der Hotels statt, denn die komplette Infrastruktur des Orts ist auf die Zielgruppe „junge Partyurlauber“ ausgelegt. In vielen Bars, Cafés und Diskotheken herrscht im Vergleich zu den vergangenen Jahren gähnende Leere und die Besitzer sorgen sich um ihre Einkünfte in dieser Saison. „Noch vor zwei Jahren war der Laden um diese Jahreszeit schon brechend voll“, erzählte mir die Mitarbeiterin eines mäßig gefüllten Clubs.

Ich frage mich also, warum entscheidet ein Hotel, das seit mehr als 15 Jahren ein äußerst beliebtes Hotel in seiner speziellen Zielgruppe ist, die Gästestruktur zu verändern? Vor allem in Anbetracht der Konsequenzen, die diese Veränderung mit sich bringt und den gesamten Urlaubsort beeinflusst.

Der Urlaub war wunderbar und Gran Canaria ist definitiv eine tolle Insel für Familien und Verliebte, die in den für ihre Zielgruppe ausgerichteten Urlaubsorten und Hotels eine schöne Zeit verbringen können. Also wieso nicht alles beim Alten lassen?