Eigentlich hatten wir die Gletschersaison, in Vorfreude auf die Winterskigebiete, schon für beendet erklärt. Ischgl war das Ziel der Wahl für das erste Ski Opening, bis uns Frau Holle einen dicken Strich durch die Rechnung machte. Statt das ganze Wochenende mit tausenden anderer Skifahrer auf Kunstschnee zu verbringen, entschieden wir uns für das ewige Eis, hoffentlich zum letzten Mal. Unser dritter PistenCheck führte uns daher auf den Ötztaler Gletscher in Tirol.

Mit dem Auto auf 2800m

Das Gletscherskigebiet beinhaltet zwei Gletscher. Den Rettenbachgletscher (2684m) und den Tiefenbachgletscher (2796m). Im Gegensatz zum Hintertuxer und Stubaier Gletscher sind beide Mittelstationen mit dem Auto erreichbar und durch den 1,8km langen „Rosi-Mittermeier-Tunnel“ miteinander verbunden. Die Fahrt herauf ist, genügend PS vorausgesetzt, schon eine Attraktion an sich. Auf breiten Serpentinen schlängelt man sich über 14km, vorbei an Hochsölden, durch das Rettenbachtal. Mit dem Bus ist die lange Anfahrt jedoch recht mühselig und schlägt mit 3€ zu Buche. Im Winter ist der Gletscher zusätzlich aus dem Winterskigebiet durch die Gondelbahn Gletscherexpress erreichbar. Achtung: Im Winter kann es vorkommen, dass Gletscherstraße und Gletscher gesperrt sind. Daher zunächst die Wetterlage checken. Kennt Ihr ja von den Hotels 😉

Herbstidylle vom Tiefenbachkogl

Think Big, Big 3

Im Skigebiet Sölden sind drei Dreitausender mit Bergbahnen erschlossen, die sogenannten Big 3. Zwei davon, Tiefenbachkogl (3250m) und schwarze Schneid (3340m), befinden sich im Gletscherskigebiet. Durch diese Höhe fanden wir, obwohl es fast den kompletten November keinen Niederschlag gab, noch genug Schnee vor.
Zwar summten auch in Sölden die Schneekanonen des öfteren, aber kein Vergleich zu Ischgl, wo das komplette Skigebiet für mehr als 1 Million Euro künstlich beschneit werden musste.

Piste gut, Alles gut

Chilliges Wetter am Rettenbachgletscher

Trotz der Arbeitsverweigerung Frau Holles fanden wir wieder super Bedingungen vor. Angenehm milde Temperaturen, kaum Wind (außer an den Gipfeln wo es wohl immer weht) und blauer Himmel über das komplette Wochenende.

Rettenbachgletscher

Die Mittelstation am Rettenbachgletscher dürfte vielen Ski Alpin Fans bekannt sein. Seit einigen Jahren findet hier, jeweils am Dritten Oktober Wochenende, der Start in die neue Weltcup Saison statt. Dabei stürzen sich die Topathleten die schwarze Piste 31 bis ins Gletscherstadion hinunter. Gute Kanten und ein bisschen Mut vorausgesetzt, fühlt man sich ebenfalls schnell wie Bode Miller & Co. Für den eher gemütlichen Fahrer bieten die Pisten 32, 33 und 34 jede Menge breite Pistenkorridore zum verchillten carven und üben.

Tiefenbachgletscher

Ausgehend von der Bergstation der schwarzen Schneid Bahn, gelangten wir über einen Skitunnel zum Tiefenbachgletscher. Zurück führt dann ein Sessellift direkt von der Mittelstation am Tiefenbachgletscher. Hier befindet sich auch die Hauptpiste des Gletschers, lang, breit und blau, im oberen Drittel mit einem kleinen Funpark auch für Snowboarder interessant. Dieser ist zwar recht klein, war aber prima geshaped und lud zum shredden und freestylen ein. Leider fehlt ein zugehöriger Park-Lift, so dass es heisst: laufen oder ganz nach unten durchstarten und mit der Tiefenbachbahn wieder hinauf zum höchsten Punkt des Skigebietes (3249m).
Hier befindet sich auch der Big 3 Panorama Felssteg. Eine 15 m hohe Pyramide mit einem glasverkleideten Steg. Unter den Füßen geht es 60m in die Tiefe, während der Steg 20m in den Gletscher hineinragt. Von hier aus hatten wir einen hervorragenden Blick auf mehr als 100 Dreitausender, unter Ihnen die Wildspitze, Tirols höchster Berg mit 3768m. Kannten wir aber schon aus dem Stubai 😉

Klein aber Fein: Der Glacier Park

Klein aber Fein: Der Glacier Park
Wenig Schnee, aber gut verteilt ;)

Wenig Schnee, aber gut verteilt 😉

Aprés Ski Olé

Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass es zwei „Mittelstationen“ gibt, oder auch an der doch großen Entfernung zum Talort. Die richtige Party steigt erst am Abend in Sölden. Zwar lockt das Rondell am Gletscherstadion nach der letzten Abfahrt. Die Stimmung von der Mutterbergalm oder der Hohen Tenne wird jedoch nicht erreicht. Dafür kann sich Sölden an sich als Partyhochburg verstehen. Mehrere Clubs und Apres Ski Bars buhlen hier um das Partyvolk. Zu empfehlen sind z.B. Fire & Ice, Mogul und der Bierhimml. Obwohl wir uns noch immer in der Vorsaison befinden, war hier am Abend richtig viel los.

Fazit: Ein bisschen was von allem


Das Gletscherskigebiet ist nicht ganz so groß wie Hintertux oder Stubai. Es gibt ein paar Freeridemöglichkeiten, eine anspruchsvolle Weltcuppiste und einen Beginner Funpark. Nichts Spektakuläres, für die Vorsaison aber solide. Nach einem halben Tag hatten wir alles gesehen. Da die Pisten aber super präpariert und teilweise extrem breit waren, sind wir diese gern öfters gefahren. Preislich ist Sölden das teuerste Gletscherskigebiet in unserem Test. Das Nachtleben ist dafür jedoch unschlagbar.

Während Ihr diese Zeilen lest, ist das PistenCheck Team schon wieder am packen. In der nächsten Ausgabe werden wir ein sehr bekanntes Schweizer Skigebiet ausgiebig testen. Wir hoffen Frau Holle legt noch eine Nachtschicht ein, so dass wir morgen die erste Talabfahrt der Saison in Angriff nehmen können.