Endlich ist es soweit. Der Winter ist da, zumindest ein bisschen. Zeit, die Gletscherskigebiete hinter uns zu lassen. Da wir ja bekanntlich in einem Schweizer Unternehmen arbeiten, starten wir ein bisschen lokalpatriotisch in einem der bekanntesten Skigebiete der Eidgenossenschaft: Davos Klosters Mountains. Wie uns das erste Winterwochenende der Saison gefallen hat, erfahrt ihr im vierten HolidayCheck PistenCheck.

Panorama Davos Parsenn

Anreise

Davos ist aus Deutschland und großen Teilen der Schweiz am besten über die Prättigauerstrasse (Nationalstrasse Hauptstrasse 28) zu erreichen. Da der Flüelapass im Winter witterungsbedingt zu unsicher ist, gibt es für Gäste aus Richtung Österreich/Unterengadin den Vereinatunnel samt Autoverlad auf der Strecke Sagliains – Klosters. Von den Flughäfen Zürich (Davos Express) und Friedrichshafen (Graubünden Express) verkehren wöchentlich Shuttle Busse. Die Fahrtzeit beträgt ca. 2 Stunden. Eine weitere Route führt von Tiefencastl durch das Landwassertal aus südlicher Richtung nach Davos.

Da(v)wos schön ist

Davos liegt auf ca. 1500m und ist somit die höchstgelegene Stadt der Alpen. Wintersportlern ist Davos vom alljährlichen Langlauf Weltcup bekannt, welcher an diesem Wochenende bei besten Bedingungen stattfand. Die Schönheit bezieht Davos primär aus seiner exponierten Lage. Die Stadt an sich ist eher nüchtern gehalten. Ein verschneites Bergdorf hat sicher mehr Charme, weswegen man besser außerhalb übernachtet (z.B. im 10km entfernten Klosters). Die Davos-Klosters Mountains umfassen die Skigebiete Madrisa, Pischa, Rinerhorn, Schatzalp, Parsenn und das Jakobshorn. Mit insgesamt 300km Pisten auf 85 Abfahrten ist das Skigebiet eines der größten im gesamten Alpenraum. Das Skigebiet Schatzalp ist das erste „entschleunigte Skigebiet“ der Schweiz. Leider waren an diesem Wochenende nur die Skigebiete Jakobshorn und Parsenn teilweise geöffnet. Langweilig sollte uns trotzdem nicht werden.

Da(v)wos teuer ist

Neben St. Moritz gilt Davos als das Topskigebiet der Ostschweiz. Dies hat seinen Preis, der auch für Schweizer Verhältnisse oft recht stolz ist. Eine Übernachtung unter 60 € zu finden ist schwierig. Der Skipass schlägt in der Hauptsaison mit 65 CHF zu Buche und auch auf den Hütten schmelzen die Franken aus dem Portemonnaie wie ein Schneemann im Mai. Umso ärgerlicher ist es, dass man als Wintersportler ständig das Gefühl hat zur Kasse gebeten zu werden. Parken an den Bergbahnen – 5 CHF, chillen im Liegestuhl – 5 CHF pro Stunde oder 25 CHF pro Tag. Selbst die Keycard muss mit 5 Franken bezahlt werden, welche man im Gegensatz zu anderen Skigebieten nicht zurück bekommt.

Verchillt auf 2500m
Verchillt auf 2500m
Endlich Winter
Endlich Winter

Jakobshorn

Am ersten Tag verschlug es uns direkt ans Jakobshorn. Immerhin sollen sich hier Park & Pipe befinden.
Schnell mussten wir feststellen, dass nur wenige Pisten offen waren. Zwar war mit Piste 4 eine richtig anspruchsvolle schwarze Piste mit tollem Blick über das Tal dabei. Es wäre aber zu erwarten gewesen, dass sich die Bergbahnbetreiber mehr Mühe gegeben hätten um weitere Pisten zu öffnen. Die Schneekanonen und Pistenbullys kamen nicht zum Einsatz, weswegen die wenigen Pisten auch sehr schnell zerfahren waren. Da wunderte es uns dann nicht, dass die Pipe nicht geshaped war und von einem Funpark, außer auf dem Pistenplan, keine Spur war. Das Gebiet machte jedoch einen recht guten Eindruck, was das Freeriden anbelangt. Leider können wir aufgrund der Schneelage hier nur mutmaßen. Erste Freerideversuche endeten meist in knirschenden Geräuschen von der Nose bis zur Tail 😉

Parsenn

Tag zwei sollte uns für den eher mauen Ride vom Vortag entschädigen. In Parsenn waren insgesamt 10 von 18 Anlagen offen, was das Pistenangebot deutlich erhöhte. Zwar konnten wir uns auch hier noch nicht auf die Talabfahrt stürzen, die Abfahrt bis zur Parsennhütte ermöglichte aber schon die ein oder andere länge Anfahrt. Die Pisten hier sind teilweise extrem breit und waren allesamt sehr gut präpariert. Schneekanonen und Pistenraupen sorgten auch tagsüber für überwiegend gleichbleibend gute Bedingungen. Einen Funpark vermisst man hier zwar auch in der Hauptsaison, dafür stehen aber traumhafte Tiefschneehänge zum gefahrlosen Powdern zur Verfügung. Einige dieser konnten wir bereits vorsichtig antesten, z.B. in den Schneefeldern zur linken Seite der Zahnradbahnstrecke Mittelstation – Weißfluhjoch.

Wo bitte geht es hier zum Aprés Ski?

Die Frage ist berechtigt und schwer zu beantworten. Im Gegensatz zu Österreich ist das lustige Treiben während und nach dem Pistenvergnügen in der Schweiz nicht so verbreitet. An der Talstation Davos-Parsenn fanden wir zwar die Möglichkeit Glühwein und Jagertee zu beziehen. Allerdings fehlte der Andrang und die Stimmung wie wir es z.B. aus Hintertux gewohnt waren. Vielleicht muss man hier wirklich noch auf die partyaffinen Holländer, Engländer und Deutsche zur Hauptsaison warten. Auch am Abend geht es in Davos eher gediegen zu. Zu unserer Verwunderung waren auch keine größeren Veranstaltungen anlässlich des Weltcups zu beobachten.

Fazit

Eigentlich müssten wir das Jakobshorn und Parsenn getrennt bewerten, zu groß waren die Unterschiede. Am Jakobshorn wäre, trotz Nebensaison und Schneemangel, mit ein bisschen Engagement viel mehr möglich gewesen. Parsenn hingegen bietet für Skifahrer und Freeridern hervorragende Bedingungen. Selbst an diesem schneearmen Wochenende hat es uns viel hier viel Spaß gemacht. Wer nur einen Tag in Davos verbringt, dem sei daher Parsenn ans Herz gelegt. Aber auch eine komplette Woche bringt man durch das Vorhandensein von 6 Skigebieten abwechslungsreich über die Bühne, genügend Kleingeld mal voraus gesetzt. Davos ist teuer, das Gebotene aber echt beeindruckend.