Wenn ich gerade jetzt aus unserem Bürofenster schaue, erblicke ich anstatt meines geliebten Panoramablicks auf den Bodensee nichts weiter als einen weißen Dunst, der einem auch die letzte Urlaubsstimmung entzieht. Außerdem fällt auf, dass viele emsige Kollegen, die fleißig mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, erst zur Mittagspause auftauchen –  die dicke Nebelwand hätte ihnen jegliche Orientierung geraubt (gut, ein wenig überspitzt dargestellt).

 

Natürlich fragt sich der gewitzte HolidayCheck- Blogger mit der Zeit, wie das denn alles sein kann und wo der tolle Fensterausblick hin ist, der sonst so viele mit Neid erfüllt. Also schnell nach dem Stichwort „Nebel“ googeln: Nachdem ich erst einmal Carmen Nebel, die Otto Nebel-Stiftung und Rammstein’s „Nebel“ aussortieren konnte, bin ich auf eine wirklich wissenschaftliche Erklärung gestoßen. Der See dient als Wärmespeicher, weswegen es dem alteingesessenen Bodenseeler im Winter auch kaum fröstelt. Für den ewigen Frühling muss man dann eben auch den dicken Nebel in Kauf nehmen. Nicht umsonst trägt der Bodensee auch den Namen „Nebelloch“. Haben wir was gelernt! (Für genauere Informationen, bitte das verstaubte „Was ist Was“-Buch aus dem Regal holen).

Psychologische Studien besagen wohl auch, dass gerade im November an einem großen Gewässer die Selbstmordrate deutlich ansteigt – dies mag an der schaurigen Stimmung der Einsamkeit liegen, die Städte wie Venedig oder eben auch Konstanz heimsucht. Wohl auch ein Grund, warum das Thema „Nebel“ in weltliterarischen Werken gerne als Sinnbild des Alleinseins dargestellt wird.

nebel2Das heißt jetzt aber nicht, dass man gleich seine Herbst-Depressionen mit dem lokaleigenen Bürgertröpfle ertränken muss, schließlich hat der Winter am Bodensee auch eine positive Seite – so wird von gewitzten Geschäftsleuten auch ein Wintersegeln angeboten, bei dem man den Bodensee von einer „neuen Seite“ entdecken kann. Stellt sich dann eben die Frage, ob man diese Neuentdeckung dann auch sehen kann – oder wenigstens seine eigene Hand vor Augen. Außerdem hat der Nebel angeblich einen positiven Einfluss auf – wer wäre darauf gekommen – die am See angepflanzten Obstsorten, die dadurch vor zu intensivem Sonnenschein geschützt werden.

Auch wenn der nebelbedeckte See eher an die Heimat des kopflosen Reiters erinnert, ich finde es toll. Wo sonst wird einem eine solch schaurig-schöne Aussicht geboten, wenn man im Winter aus dem Bürofenster schaut.