Eine Zugfahrt, die ist lustig… Meine Reise in die Mongolei beginnt (mal wieder) mit einer langen Zugfahrt – 30 Stunden diesmal von Peking mit der transmongolischen Eisenbahn nach Ulaanbaatar (Ulan Bator).

Mongolei

Transmongolische Eisenbahn

Mongolei – ich komme!

Der Zug ist nicht halb so komfortabel wie der letzte, dafür aber umso bunter und traditioneller. Anstatt der zentralen Klimaanlage gibt es einen quietschenden Ventilator an der Wand und das Innendesign erinnert schwer an einen russischen Schnulzfilm.

Ich teile mein Abteil mit einem deutschen Pärchen und einem Mongolen und seinem dreijährigen Sohn. „Das kann ja heiter werden“ denke ich mir, zu fünft in einem Vier-Bett-Abteil… Heiter ist es dann auch und von Langeweile ist nicht die Rede. Der kleine Junge hält uns auf Trab und ist wirklich zuckersüß!

An der Grenze wird das Fahrgestell von chinesisch auf mongolisch umgestellt, eins ist breiter, das andere schmaler. Hierfür werden die einzelnen Waggons mit einem riesigen Wagenheber in die Höhe gehoben und dann das Fahrwerk ausgetauscht.

Die Wechselprozedur dauert etwas länger als gedacht und nach über vier Stunden rollen wir endlich in die sternenklare mongolische Nacht hinaus. Am nächsten Morgen gucke ich aus dem Fenster und wahhhhhhhh – die Wüste Gobi!!!

Mongolei

„Komm, ich zeig dir mein Land“

Ich verbringe die nächsten Stunden am Fenster und kann mich gar nicht satt sehen. Hier und da ein paar Pferde oder Kamele und eine kleine Filzjurte am Horizont. Langsam verwandelt sich die Landschaft in eine grau-grüne Steppe, dann taucht am Horizont die erste Siedlung auf und kurz danach sind wir da – Ulaanbaatar – die Stadt im Nirgendwo.

Ich mache mich sofort auf, die Stadt zu erkunden, die wirklich sehr klein, grau und fast schon hässlich ist. Zum ersten Mal auf meiner Reise habe ich auch ein flaues Gefühl im Magen und fühle mich nicht ganz so sicher, als ich alleine durch die Straßen laufe.

Das Volk der Nomaden

Man stelle sich das mal vor, ein Nomadenvolk baut eine Stadt – wie sieht das wohl aus? Auf jeden Fall chaotisch, es gibt kaum ein System, die Straßen sind kaputt oder aus Schotter, wenn es regnet, verwandeln sie sich in Flüsse und man hat sofort nasse Füße. Über 50% der Einwohner Ulan Bators leben in den so genannten Ger-Districts der Stadt, also in einer Filzjurte anstatt in einem festen Haus. Trotzdem sieht man hier und da die neusten Gebäude hervor blitzen. Louis Vuitton, Prada, Adidas… absurd!

Es sitzen viele obdachlose Familien auf der Straße, Mütter stillen ihre Kinder, einbeinige Männer und überhaupt viele Kinder laufen verlassen durch die Straßen und zupfen mir an der Hose und wollen Geld. Die Stadt ist ein einziger Widerspruch und es macht mir schwer zu schaffen, mit so viel Armut konfrontiert zu werden. Es ist ein bisschen so wie mit den Aborigines in Australien, eine Kultur wird zivilisiert und das geht nach hinten los. Traurig, aber wahr.

Mongolei

Nadaam-Festival

Naadam-Festival

Einmal im Jahr, zum Nationalfest Naadam, herrscht Ausnahmezustand in der Stadt und ich bin mittendrin! Ich habe es natürlich versäumt, mir Tickets fürs Stadion zu kaufen. Kurzerhand besteche ich den Türsteher und kriege so noch die Ringkämpfe und das Bogenschießen mit. Wirklich spannend!! Am Abend gehe ich typisch mongolisch essen, es gibt Hammelpott! Naja…

Dann geht es in die Steppe! Darauf habe ich so lange gewartet! Die Fahrt in den Nationalpark dauert nur 1,5 Stunden, genug Zeit, um komplett aus der Zivilisation rauszufahren.

Die mongolische Steppe

Ich komme bei einer mongolischen Familie unter, die sehr traditionell und ursprünglich mitten im Nirgendwo lebt. Neben ihrem Haupthaus (eine „Jurte“ aus Holz) gibt es noch drei Filzjurten und einen Kloverschlag. Und Ponys!!!!

Die Landschaft ist atemberaubend, das Wetter toll, die Stimmung super, es könnte gar nicht schöner sein. Gegen Nachmittag werden meine drei Mitreisenden und ich auf die Ponys gesetzt und trotten zwei Stunden durch die Gegend. Schön, aber nicht so ganz nach meinem Geschmack. Ich will wie Winnetou durch die Steppe galoppieren und dabei wild kreischen und ein Lasso schwingen – oder so ähnlich.

Mongolei

Meine Schlafjurte

Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch mache ich dem „Papa“ klar, dass ich gut reiten kann und doch so gerne „fast fast (schnell schnell)“ reiten möchte. Also nimmt mich der Sohn mit auf einen Ausflug, wir holen noch seine Freundin im Nachbar-Ger ab und reiten durch die tolle Landschaft. Er fragt “fast?“ Ich sag „yes“ und los geht’s.

Nach knapp vier Stunden tut mir der Po weh (in der Mongolei reitet man mit Holzsätteln – autsch). Ich habe beim Absteigen meine Jeans total zerfetzt, wurde von einem zickigen Pony in den Oberschenkel gebissen und bin froh, erst mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Zur  Stärkung gibt es eine mongolische Spezialität: Gegorene Stutenmilch! Oje, gar nicht lecker!!

Mongolei

Das Schaf köchelt vor sich hin

Abends wird ein Schaf geschlachtet. Wie geht das? Kleiner Schnitt in den Bauch, Hand ums Herz. Dem Schaf Mund und Nase zuhalten und warten. Einen kurzen Moment nur, dann ist es tot. Fell ab, aufschneiden, Blut auffangen, klein schneiden und zusammen mit Wasser, Salz, Gemüse und heißen Steinen in eine große Milchkanne und ab aufs Feuer – so einfach geht das. Klingt brutal, gehört dort aber nun mal zum mongolischen Alltag. Leider schmeckt es mir überhaupt nicht, ich esse es aber trotzdem, es wäre eine Beleidigung gewesen, dieses „Festmahl“ zu verschmähen.

Am nächsten Morgen ist es so weit. Papa hat mich am Tag zuvor reiten sehen und jetzt keinerlei Bedenken mehr, dass ich das wirklich kann. Ich darf mein kleines Pony in die Wildnis ausführen – und zwar ganz alleine! HURRA! Ein einmaliges Erlebnis! Und ja ich galoppiere durch die Steppe und ja ich kreische aus vollem Herzen. Das Highlight meines gesamten Asien Aufenthaltes! Ein Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Völlig erschöpft komme ich nach drei Stunden wieder im Camp an und bin einfach nur glücklich!

Mongolei

Unbeschreiblich schön!

Der Abschied fällt schwer…

Beim Abschied am nächsten Morgen hat Papa eine Träne im Auge und würde mich am liebsten gar nicht mehr loslassen! Wie leicht es mir gefallen ist, diese Familie in mein Herz zu schließen und wie traurig der Abschied doch ist!

Zurück in Ulan Bator bleibt mir dann nur noch eine Nacht, nicht viel Zeit, eine heiße Dusche, ein paar Souvenirs kaufen und früh ins Bett gehen….der Zug fährt um 8 Uhr zurück nach Peking!