Mit dem Auto von Palma nach Kap Formentor – Userin Ira Pelmann berichtet euch von ihrem spannenden Roadtrip entlang Mallorcas wilder Westküste:

1157756734_palma Wie oft ich inzwischen auf Mallorca war, weiß ich nicht mehr. Immer, wenn ich ein paar Tage frei habe, zieht es mich auf die Insel. Wenn ich nach gut zwei Stunden Flug die kerzengeraden riesigen Palmen am Flughafen sehe, die Windräder auf den Feldern und die reifen Orangen an den Bäumen, geht mir einfach das Herz auf. Mallorca ist mittlerweile zum Geheimtipp für Individualisten geworden. Allerdings muss man dafür mal für einige Tage aufs Strandleben verzichten und, am besten mit einem Mietwagen, kreuz und quer über die Insel herum fahren.

Für mich beginnt ein Mallorca-Aufenthalt immer mit mindestens zwei Übernachtungen in Palma. Mein Tipp: Flug und Hotel getrennt buchen, das Hotel möglichst mitten in der Altstadt, um alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen zu  können. Hotelzimmer gibt’s in allen Preiskategorien, aber wenn man nicht so genau in alle Ecken guckt und sparen will, dann ist das Hostal Apuntadores zumindest von seiner Lage her nicht zu toppen. Ich empfehle, gleich nach der Ankunft vielleicht mit einer ersten Flasche spanischen Rotweins auf die Dachterrasse zu steigen. Dort wird man belohnt mit einem atemberaubenden Ausblick: Zum Greifen nahe die berühmte Kathedrale von Palma, dahinter das Blau der Bucht von Palma und daneben die alten Ziegeldächer und Dachgärten der romantischen Altstadt. Selbst wenn man etwas komfortabler wohnen möchte als in diesem Hostal lohnt sich ein Besuch dieser Dachterrasse.

 

1158074598_kathedraleAm nächsten Morgen beginnt dann meine Entdeckungstour durch Palma, und sofort bin ich in Urlaubsstimmung. Zuerst natürlich geht’s zur Kathedrale „La Seu“, einer der fünf schönsten Kirchen von ganz Spanien. Und dann lasse ich mich nur noch treiben. Durch enge Altstadtgassen, über den Born, die Flanierstraße der Stadt, vorbei an prächtigen Bürger- und Adelspalästen, über die Plaza Mayor, Geschäfte angucken, das römische Bad oder ein Museum besuchen und zwischendurch immer wieder ausruhen im Schatten und dem Treiben der Leute zusehen. Am Abend gehe ich gern am Hafen entlang, wo es nach Fischgerichten duftet und wo ich mir mit Blick auf die Luxusyachten und Kreuzfahrtschiffe die erste Paella gönne. Da ein Tag immer viel zu kurz ist für diese tolle Stadt, bleibe ich meistens noch einen zweiten. Ein Auto braucht man in Palma nicht. Wohl aber für die Rundfahrt, die inzwischen zu meiner Lieblingstour geworden ist. Den Leihwagen kann man sich am Flughafen abholen oder in einigen Agenturen in der Stadt. Raus geht’s aus Palma in Richtung Westen, und schon nach 20 Kilometern gibt’s einen kleinen Zwischenstopp, der sich lohnt: Das Museum des berühmten Malers Joan Mirò, der 40 Jahre lang auf Mallorca gelebt und gearbeitet und der Stadt Palma seinen künstlerischen Nachlass vermacht hat.

Mein nächstes Ziel: DeAndraitxr Hafen von Andratx, einst ein uriger Fischerhafen, heute Liegeplatz hochkarätiger Yachten, aber seiner Lage wegen immer noch mit einem besonderen Flair. Wenn ich ganz viel Zeit habe, versuche ich fünf Kilometer oberhalb von Port Andratx in dem eigentlichen Ort gleichen Namens eines der wenigen Hotelzimmer zu bekommen, was sich vor allem in der Nacht zum Mittwoch lohnt, weil dann in Andratx einer der größten und buntesten Wochenmärkte der Insel stattfindet. Lasse ich den aus, beginnt jetzt eine landschaftlich besonders reizvolle Fahrt hinein in die Bergwelt der rauen Westküste Mallorcas mit einem großen Ziel: Valldemossa.

Wunderschön in Berge eingebettet liegt dieser Ort, der wegen zweier berühmter Gäste zum Touristenmagneten geworden ist. Ein Tagesausflug nach Valldemossa gehört inzwischen zum Pflichtbesuch auch der reinen Strandurlauber, und so empfiehlt es sich, in Valldemossa wenigstens für eine Nacht ein Zimmer zu valldemossanehmen, das man wegen der knappen Bettenzahl möglichst von zu Hause aus vorgebucht hat. Denn erst wenn die vielen Reisebusse mit den Tagesgästen wieder abgefahren sind, kann man den Ort mit seinen blumen- und kachelgeschmückten Gassen so richtig genießen. Und früh am Morgen hat man, vor dem Touristenansturm, das Kartäuserkloster fast für sich, in dem sich im Winter 1838/39 Frédéric Chopin und die Schriftstellerin George Sand aufgehalten haben und wo einige von Chopins schönsten Kompositionen entstanden sind.

Aufgetankt mit viel Kultur geht`s dann weiter. Immer die Westküste entlang in Richtung Kap Formentor. Was für ein Erlebnis! Auf der Meeresseite die steil abfallende Küste, landseitig ragen Felsmassive hinauf bis auf 1000 Meter Höhe. Für ängstliche Beifahrer ist diese Fahrt nichts, denn die Straße ist schmal und die Kurven sind eng. Aber belohnt wird man mit grandiosen Landschaftsbildern, die diesem Abschnitt den Namen „Wilde Küste“ eingebracht hat. Wo überall man auf der ca. 100 Kilometer langen Strecke bis Formentor Halt macht, ist eine Frage der Zeit, die man sich nehmen kann. Ich habe schon im romantischen Künstler-Bergdorf Deià übernachtet und in der alten Hafenstadt Sóller, die übrigens auch mit einer nostalgischen Straßenbahn von Palma aus direkt zu erreichen ist.  Auch die geschichtsträchtige Stadt Pollenca lohnt einen längeren Besuch.

1158096106_formentorAch, es gibt einfach so viel zu entdecken an Mallorcas Westküste! Nie ist es hier langweilig, und welche Orte zum Verweilen man sich auch ausgesucht hat während dieser kleinen Reise, der krönende Abschluss dann ist die nördlichste Spitze der Insel, das Kap Formentor, ein steil abfallender Felsen mitten im Meer, auf dem wilde Ziegen die Vegetation kurz halten. Hier gibt es einen ruhigen, traumhaften Strand, an dem ich dann nochmal meine „Mallorca-Batterie“ auflade, damit sie bis zum nächsten Besuch auf meiner Lieblingsinsel halten kann.