Ab 27.9.2010 werden am Flughafen Hamburg die ersten Körperscanner in der Praxis getestet. Auf was müssen sich Reisende dabei einstellen, was gibt es zu beachten, wie tief greift er in deren Privatsphäre ein? HolidayCheck.de hat beim Bundesinnenministerium (BMI) nachgefragt und beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum „Nacktscanner“.

Wie funktioniert er?
Jeder Körper reflektiert Wärmewellen oder strahlt selbst welche ab. Diese werden von dem Gerät aufgespürt. Hierdurch wird ein Abbild des menschlichen Körpers erstellt. Gegenstände am Körper erkennt der Scanner durch so genannte „Wärmeschatten“.

 

Werden Bilder von meinem Körper gespeichert?
Das Pressereferat des Innenministeriums erklärt auf Anfrage von HolidayCheck.de: „Das BMI hat sich auf die Möglichkeit einer automatischen Detektion von am Körper (unter der Kleidung) getragener Gegenstände konzentriert (Anzeigefall), die eine Auswertung von Körperbildern verzichtbar macht. Körperbilder werden nicht erzeugt und demzufolge auch nicht ausgewertet. Detektionsdaten werden sofort nach der Kontrolle gelöscht.“ (Bild: BMI)


Kann ich mich dagegen wehren, dass das Gerät bei mir eingesetzt wird?

Der Körperscanner wird erst im Testeinsatz sein. Er ist nur an bestimmten Sicherheitstoren aufgestellt, die besonders gekennzeichnet sind. Wer nicht möchte kann – zumindest jetzt noch – bei einem anderen Securitycheck anstehen.

 

Muss ich mich ausziehen?
Niemand muss sich ausziehen! Der Körperscanner wird im Volksmund deshalb „Nacktscanner“ genannt, weil er den Fluggast bis zur nackten Haut durchleuchten kann. So weit gehen die in Hamburg eingesetzten Scanner jedoch nicht: Eine Software verhindert eine Darstellung wie auf diesem Bild.
(Bild: www.handyblocker.org)


Kann ich mein Handgepäck mit in den neuen Scanner geben?

Nein. Das muss wie bisher auf das Laufband gelegt werden und wird von einem Röntgengerät durchleuchtet. Beschränkungen für die Mitnahme von Flüssigkeiten gelten übrigens weiterhin.

 

Sieht man mich nackt?
Nein. Erkennt das Gerät keine verdächtigen Gegenstände, zeigt der Monitor dem Sicherheitspersonal nur einen grünen Bildschirm mit der Aufschrift „OK“. Hat es vermeintlich Gefährliches entdeckt (im sog. „Anzeigefall“) wird nicht der tatsächliche Körper abgebildet. Der Monitor zeigt eine Figur, die aussieht wie ein Ampelmännchen. Stellen, an denen verdächtige Stoffe oder Geräte entdeckt wurden, sind mit gelben Flaggen gekennzeichnet (Bild: BMI)

 

Ist die Strahlung gesundheitsschädlich?
Laut Angaben des Herstellers werden zum Scannen keine Röntgen- oder gar radioaktive Strahlen benützt. Die Bilder werden von Radiowellen erstellt, die 10.000 Mal weniger intensiv sind als die von Mobiltelefonen.

Ich bin gepierct. Sehen die das auf dem Monitor?
Kleine Gegenstände erscheinen eher schemenhaft. Aufgrund von Form und Größe können Piercings dennoch meist direkt als ungefährlich erkannt werden. Bei Problemen werden Sie jedoch zur Einzelkontrolle gebeten.
(Bild: BMI)
Muss ich früher zum Flughafen, weil es längere Wartezeiten beim Securitycheck gibt?
Das neue Gerät fertigt mehr als 350 Passagiere pro Stunde ab. Das bedeutet, dass mindestens alle zehn Sekunden eine Person durch die Sicherheitsschleuse gehen kann. Verzögerungen sollten deshalb laut Hersteller der Scanner nicht auftreten. In Italien wurden Tests jedoch bereits abgebrochen, weil die Passagierkontrollen zu lange gedauert haben. Um den Nacktscanner auf seine Praxistauglichkeit zu testen, wird nun dieser Feldtest durchgeführt. „Ziel ist es“, laut BMI „die Luftsicherheitskontrollen von Personen effizienter zu gestalten und das Sicherheitsniveau zu erhöhen.“

 

Werden die Scanner bereits eingesetzt?
In den Flughäfen von Amsterdam, London und Zürich sind sie im Einsatz. In den USA arbeitet man bereits mit rund 200 Geräten auf 51 Flughäfen. Ab Ende September wird er auch am Flughafen Hamburg für Sicherheitskontrollen eingesetzt.