Im Südwesten von Baden-Württemberg erhebt sich ein kleines Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs und erfreut Wanderer wie Radfahrer mit einzigartiger wie abwechslungsreicher Natur – der Kaiserstuhl. Mindestens einmal pro Jahr ist HolidayCheck Nutzerin Doris vor Ort. Hier teilt sie ihre persönlichen Tipps:

Wir fahren seit Jahren immer wieder, mindestens ein wenn nicht sogar zweimal im Jahr, an den Kaiserstuhl. Da wir aus Nordbaden kommen, liegt er für uns eigentlich nicht allzu weit entfernt. Will man den Ausflug aber in vollen Zügen genießen, ist es einfach zu stressig, An- und Rückfahrt sowie die Unternehmung selbst an einem Tag zu bewerkstelligen. Auch um das gute vor Ort gebotene Essen und den Wein wäre einfach viel zu schade, nur ein paar Stunden zu bleiben. Im August diesen Jahres waren wir daher einmal mehr für vier Tage am Kaiserstuhl, genauer gesagt in Ihringen, und wieder mal waren wir begeistert von der Natur, der Umgebung, den Leuten, dem Essen, dem Wein und nicht zuletzt dem schönen milden sonnigen Wetter.

Warum der Kaiserstuhl?

Bild Breisacher Münster

Breisacher Münster

Was uns immer wieder dorthin zieht? Es ist so abwechslungsreich und vielfältig, man kann so Vieles unternehmen, Wanderungen und Spaziergänge machen, die auch mit kleineren Knieproblemen und mit 60+ noch gut zu bewältigen sind. Es gibt Naturschutzgebiete, seltene Pflanzen und Tiere zu sehen und natürlich immer wieder kleine idyllische Ortschaften. Abgesehen davon kann man Radfahren ohne Ende – egal ob anstrengende Moutainbiketouren, E-Biketouren oder gemütliche Radtouren rund um den Kaiserstuhl, z. B. am Rhein entlang, wie wir es als Genussradler bevorzugen. Vom Kaiserstuhl aus kann man Ausflüge in naheliegende Städte unternehmen,  z. B. nach Breisach und nach Freiburg, ins Elsass, in den Schwarzwald, ins Markgräfler Land und in die Vogesen und wenn man dann K.o. ist und alle Muskeln schmerzen, dann bietet sich ein Wellnesstag in den nahegelegenen Thermen in Bad Krotzingen oder Badenweiler an.

Selbstverständlich ist auch der Kaiserstuhl an das KONUS Programm des Schwarzwaldes angeschlossen, das heißt, man kann mit der Gästekarte kostenlos Regionalbahn fahren, so zum Beispiel bis nach Basel im Süden oder nach Baden-Baden im Norden. Wir nutzen es, um mit den Rädern mal weiter weg zu kommen und fahren dann von Breisach bis Freiburg und radeln am Dreisamradweg zurück.

Kaiserstuhl - ZwetschgenKaiserstuhl ist ein Genießerland, ein Garten Eden. Es wächst Wein, und man darf guten Gewissens behaupten, die schlechten Weinpanscherzeiten sind vorbei. Es gibt edle Weine, die man in kleineren Winzergenossenschaften aber auch bei den vielen privaten Weingütern direkt verkosten und kaufen kann. Zudem wächst natürlich Obst im Überfluss – keine riesigen Anlagen, die ständig gespritzt werden, nein, kleinere Obstplantagen, wo  Äpfel auf Birnen und auf die legendären Kaiserstühler Kirschen treffen. Nicht zu vergessen Zwetschgen und sogar Pfirsiche, Mirabellen, Aprikosen und Nektarinen. Dazwischen immer wieder Bauerngartenanpflanzungen mit Kürbissen und Zucchinis, Bauernblumen, Sonnenblumen und Mais. Im Frühling sehen diese Obstanlagen aus wie ein Blütenmeer, im Herbst wird geerntet.

Wo liegt der Kaiserstuhl?

Er liegt in Südbaden, zwischen Rhein und Schwarzwald oder zwischen Riegel und Freiburg, am Rhein ab Wyhl und Sasbach. Die bekanntesten Orte sind zusammengeschlossen in der Stadt Vogtsburg und bilden das Herz des Kaiserstuhls. Sie tragen bekannte Weinnamen wie Achkarren, Bickensohl, Bischoffingen, Burkheim, Oberbergen, Oberrotweil und Schelingen – ein Ort hübscher und schmucker als der andere. Viele weitere Orte zählen zum Kaiserstuhl, so zum Bespiel Ihringen, bekannt als der wärmste Ort Deutschlands, oder Sasbach ganz im Westen. Endingen ist ein besonders schönes Städtchen mit mittelalterlichem Stadtkern, gleiches gilt für Riegel.

Was unternehmen am Kaiserstuhl?

Radtour User DorisWir lieben den Kaiserstuhlradweg. Wenn man ihn ganz fährt, sind es über 65 Kilometer – inklusive Abstecher über den Tuniberg. Wir teilen uns die Strecke für gewöhnlich auf, was gut möglich ist. Auch Abstecher nach Merdingen, Rimsingen, Gottenheim sind gut zu bewältigen, von einer Tour durch den sogenannten Totenkopf würde ich hingegen abraten. Im August 2015 sind wir den Mühlenradweg von Riegel bis Emmendingen geradelt, etwa 30 Kilometer, ein schöner Spazierradweg entlang an der Elz mit Blick auf die Schwarzwälder Berge. Lediglich die schlechte Beschilderung, die sich vor allem innerhalb der Orte verliert, hat uns weniger gut gefallen. Weitere schöne Radwege führen am Rhein entlang, sowohl in den Norden als auch in den Süden. Hier bietet sich zum Beispiel der Rheinradweg an. Weitere Alternativen: Radeln bis Freiburg, Breisach, Neu-Breisach im Elsass oder sogar bis Colmar, dort übernachten und am nächsten Tag zurück.

Auf dem Nachhauseweg sind wir mit dem Auto die elsässische Weinstraße gefahren. Von Colmar bis nördlich von Straßburg reihen sich ein blumengeschmückter elsässischer Weinort an den anderen, mal mehr, mal weniger touristisch, mal urig und klein, mal überlaufen. Vor Ort herrscht eine ganz andere Atmosphäre als am Kaiserstuhl, obwohl es landschaftlich ähnlich aussieht.

Das Besondere an den Lokalitäten am Kaiserstuhl sind die Straußis, also Straußenwirtschaften, in manchen Gegenden auch Besenwirtschaften genannt. Es handelt sich dabei um kleinere Wirtschaften direkt auf dem Weingut und beim Winzer, die keine Konzession für die ganzjährige Bewirtschaftung haben. Sie sind meistens nur einige Wochen im Jahr geöffnet und verkaufen natürlich den hauseigenen Wein und regionale Speisen – vom urigen Vesper über Flammkuchen bis hin zum Hausfrauen-Sonntagsbraten oder den hausgemachten Bratkartoffeln (im Kaiserstuhl heißen sie Brägele). Unbedingt die Augen offen halten, es gibt immer irgendeine Straußi, die geöffnet hat.

Merdingen

Rathaus Merdingen

Ansonsten gibt es auch ehemalige Straußis, die zwischenzeitlich eine Konzession haben. Sie tragen Bezeichnungen wie Weinschänke oder Ähnliches. Ein paar besondere Straußi-Adressen, die nicht in Zusammenhang mit den nachfolgenden Übernachtungsorten aufgeführt sind, kann ich wie folgt empfehlen: Straußi Ufm Buck in Bahlingen, Straußi Michel in Achkarren, Vogelstrauße in Oberbergen, Straußwirtschaft Gretzmeier in Merdingen, Hunnenstraußi in Gottenheim. Das ist nur eine kleine Auswahl, es gibt natürlich noch viele mehr. Tipp: Vorher im Internet recherchieren, ob die Straußi geöffnet hat oder anrufen!

Ein paar weitere Empfehlungen und Adressen habe ich auch noch parat:

Wir haben schon in verschiedenen Weinorten gewohnt. Eigentlich ist jeder Ort schön. Manche liegen mehr am Rand des Kaiserstuhls, also mehr in der Ebene, andere mittendrin. Da wir gerne Radfahren und Steigungen vermeiden, bevorzugen wir die ebenen Orte wie Ihringen, Riegel, Endingen und Sasbach. Die kleinen Steigungen in Burkheim oder Bischoffingen schaffen wir gerade noch.

Im August-Wochenende waren wir in einer Ferienwohnung auf dem Winzerhof in Ihringen. Der Ort selbst ist nicht so berauschend, etwas viel Verkehr und daher vergleichsweise laut. Aber die schöne Umgebung und das Drumherum machen alles wieder wett. Nicht zuletzt der Weinberg – Winklerberg und Fohrenberg – und die Obstanlagen in der Ebene. Im Lilienthal und dem Lenzenberg kann man super wandern, zum Radfahren auch mal ins Elsass rüber, an den Rhein oder nach Freiburg. In Ihringen bietet sich wirklich jede Möglichkeit der Übernachtung. Gewohnt haben wir wieder, wie schon öfters, im Weingut Düringer im Gästehaus Trottenhof, da gefällt es uns sehr gut. Schöne, saubere Ferienwohnungen und Appartements mit Balkon, mit schöner Aussicht und in ruhiger Lage in den Apfelanlagen außerhalb des Ortes.

  • Wer in Ihringen gut und gehoben essen gehen möchte, geht in in die Weinschänke zum Küfer, wer es gerne urig und einfacher hat, in die Straußi Martinshofschenke und wer es gut bürgerlich und traditionell mag, geht in den Goldenen Engel (Letzterer hat sogar ein nettes Gästehaus mit vielen zufriedenen Stammgästen).
  • Einer der schönsten Orte – mein geheimer Favorit – ist Burkheim. Wir haben da öfters mal für eine bis drei Übernachtungen im Hotel Kreuz-Post gewohnt.
  • Bischoffingen gefällt mir auch sehr gut. Dort gehen wir immer extra wegen dem Weingut Rieflin hin und der schönen Gutsschänke – eine ehemalige Straußi.
  • Aber auch ein sehr gut bewertetes Feinschmeckerlokal gibt’s in Bischoffingen – die Steinbuck Stube. Dort kann man auch übernachten – steht bei uns demnächst auf dem Programm.
  • Sehr schön ist auch die mittelalterliche Stadt Endingen. Seit es eine Umgehungsstraße gibt und der wirklich sehenswerte Ortskern dadurch beruhigter ist, ist Endingen wirklich ein Supertipp. Meine Restauranttipps für Endingen: das Feinschmeckerlokal Merkles Restaurant und die Straußi Dielbuckschänke.
  • Auch in Sasbach waren wir im sehr modernen und persönlichen Familienweingut Kais Winzerhof mit sehr schönen Wohnungen und besonderem Ambiente.

So, genug geschrieben über den Kaiserstuhl. Abschließend nur noch einen Tipp: HINFAHREN, Urlaub machen, selbst erleben, entdecken und genießen!