Berichte von anhaltenden Protesten und politischen Unruhen in Ägypten erschüttern zehntausende Reisende. Sie haben ihren Sommerurlaub dort geplant. Ist der Familienurlaub in dem Land am Nil überhaupt noch ratsam?

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Professor Dr. Axel Jockwer

Nach dem Sturz von Präsident Mursi bleibt die Lage in Ägypten weiterhin angespannt. Jetzt hat das Auswärtige Amt sogar eine Teilreisewarnung für Ägypten herausgegeben. Diese gilt u.a. für Kairo, das Nil-Delta, den Sinai, aber auch für die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten).

Ägypten-Kenner und Tourismusexperte Professor Dr. Axel Jockwer kommt gerade frisch aus Ägypten zurück. Er hat die letzten zwei Monate vor Ort verbracht, sich mit Hoteliers, Gastronomen und Einwohnern unterhalten. Im Kurzinterview gibt er eine Einschätzung, ob ein Ägypten-Urlaub noch sicher ist und was die Urlauber erwartet.

Wir hören von einem Riss durch die Gesellschaft, Unruhen, sogar Toten. Wie ist denn die Lage vor Ort? Spürt man etwas davon in den Touristenzentren am Roten Meer?

Bisher blieb es in den Feriengebieten am Roten Meer gänzlich ruhig, nur in Hurghada gab es einige Demonstrationen. Von wenigen Streitigkeiten abgesehen, verliefen diese jedoch weitestgehend friedlich. Die Menschen wissen zu genau, welchen Stellenwert der Tourismus für sie hat. Ansonsten sind auch keine erhöhten Sicherheitskontrollen festzustellen. Alles geht seinen gewohnten Gang. Dennoch liegt etwas in der Luft. Es herrscht Aufbruchsstimmung und man spürt den Willen zur Veränderung. Dazu mischt sich aber jede Menge Unsicherheit: Was wird die Zukunft bringen? Sobald irgendwo im Fernsehen aus Kairo berichtet wird, stehen die Menschen zusammen und tauschen sich aus. Das tun sie sehr friedlich.

Facebook_ÄgyIch habe mit vielen Ägyptern gesprochen: Sie engagieren sich persönlich und unterstützen die demokratische Entwicklung. Wenn ich auf die Facebook-Postings meiner Kontakte in Ägypten schaue, gibt es kein anderes Thema. Fast jeder hat sein Profilbild mit Symbolen von Nation und Revolution geschmückt, es wird eifrig geteilt, informiert und politisiert. Ein Weg zurück zur Diktatur oder hin zum Islamismus der Muslimbrüderschaft scheint für dieses Land im Aufbruch nicht mehr vorstellbar.

Gibt es Dinge, die Touristen beachten sollten? Muss man mit Einschränkungen des Urlaubs rechnen?

Am Flughafen geht alles seinen gewohnten Gang, ebenso beim Transfer zum Hotel oder später beim Schnorchelausflug zum Riff. Und wenn man das Thema nicht aktiv anspricht, wird man auch sonst nicht mit Politik konfrontiert. Etwas spannender geht es in El Gouna zu. Hier habe ich die letzten Wochen gelebt: Dort gibt es ein echtes städtisches Leben mit Restaurants, Cafés und Bars. So kommt man schnell ins Gespräch mit Mitgliedern der westlich orientierten Oberschicht aus Kairo sowie dort lebenden Menschen aus aller Welt. Hieraus ergeben sich spannende Diskussionen und neue Perspektiven.
Was man meines Erachtens dringend vermeiden sollte, sind allzu laute politische Statements. Die Ägypter müssen letztlich ihre Themen selbst klären.

Einschränkungen im touristischen Alltag waren übrigens nicht auffällig. Im Gegenteil: Durch die eher geringe Auslastung der Hotels hat man viel Platz. Ein paar kurze Stromausfälle, Nachschubprobleme an Tankstellen und mit importiertem Waren können aber immer mal vorkommen. Die Sonne lacht dafür aber unentwegt und das Wasser hat eine herrliche Temperatur.

Du hast mit vielen Hoteliers vor Ort gesprochen. Können diese garantieren, dass ihre Gäste einen unbeschwerten Urlaub verbringen?

Die Hoteliers und ihre Mitarbeiter kennen ihre Verantwortung den Gästen gegenüber. Entsprechend arbeiten sie besonders hart für einen schönen Urlaub. Das haben wir bereits während des Arabischen Frühlings 2011 gesehen: Sie legen sich noch mehr ins Zeug, um Touristen das Gefühl zu geben, besonders willkommen zu sein.  Die Weiterempfehlungsraten ägyptischer Hotels sind damals in die Höhe gegangen.

Und auch heute wird man als Tourist immer wieder ein Lächeln sowie ein „Dankeschön, dass Sie in diesen Zeiten nach Ägypten kommen“ ernten.