Es schallt wie ein Halali durch die Medien: Sommer, Urlaub, gefälschte Bewertungen. Täglich erreichen mich mehrfach Anfragen wie: „Wir wollen da mal was über Hotelbewertungen  machen…“ Vorgestern das ZDF, der NDR und ein italienischer Kollege, gestern kamen das Bayernfernsehen und ein ARD Ratgeber (übrigens zum 4. Mal in acht Monaten, denn es gibt ja den ARD Ratgeber Internet, ARD Ratgeber Reise, ARD Ratgeber Recht, ARD Kategorieihrerwahleinsetzen,…). „Agenda Setting“ nannte es der Kollege vom NDR – das Spargelgericht taucht schließlich auch jedes Jahr im April auf dem Cover von „Essen & Trinken“ auf.

Doch während sich die Spargelzubereitung unglaubliche Variationen bereithält, folgt die Berichterstattung über Hotelbewertungen gerne den selben Verhaltensmustern und Grundstrukturen, die sich stets wiederholen und auch in meiner vierten Sommersaison hier bei HolidayCheck auftauchen.

Bildschirmfoto 2013-07-11 um 16.12.51Stilelement 1: Selber fälschen
Prinzipiell ist es ja löblich: Sich mit einem Thema zu beschäftigen, bevor man darüber berichtet. Gerne klären wir jeden auf, wie das mit den Filterprogrammen bei HolidayCheck funktioniert. Das wird aber oft falsch verstanden: Als Aufforderung mit diesem Wissen selbst zu fälschen. Doch es kommt bei HolidayCheck eben nicht darauf an, eine einzelne Journalistenfälschungen herauszufiltern.

Wir kämpfen gegen die systematischen Fakes! Nur diese sind geeignet, um ein Hotel nachhaltig in einem anderen Licht darzustellen. Natürlich fischen wir gerne auch Journalistentexte heraus, aber die Suche nach der Nadel im Heuhaufen kostet wirklich Zeit und Geduld. Diese Zeit würden wir lieber gerne für unsere eigentliche Aufgabe aufwenden: Der Suche nach echten(!) Manipulationsversuchen.

Stilelement 2: Experten zitieren
Nichts geht über einen O-Ton aus dem Munde eines Experten. Gerne befragt ist da etwa der Tourismusexperte aus Worms. Er soll mal herausgefunden haben, dass 1/3 aller Bewertungen gefälscht sind. Diese Behauptung ist aber auch zu plakativ, als dass man im Beitrag auf sie verzichten möchte. Tatsächlich hat er mal vor mal vor anderthalb Jahren 1200 Hoteliers befragt. Der Witz: Nur 330 haben überhaupt auf seine Fragen geantwortet! Dabei haben 32% der Antwortenden von Erfahrungen mit „nicht angemessenen negativen Bewertungen“ berichtet. Mal davon abgesehen, dass die Erhebungszahl kaum repräsentativ ist, liest sich das nicht, als ob dies nur mit Fälschungen zusammenhing. Dennoch wird diese Zahl gern dafür benutzt – sie ist halt zu schockierend. Und das Schlimme: Besagter Experte tut auch wenig um diese Zahl einmal richtigzustellen. Oder wie schreibt die Kollegin vom ARD Ratgeber: „Sie ist nun mal in der Welt“. Stetige Wiederholung einer falschen Behauptung macht sie allerdings auch nicht wahr.

Als wirklich lesenswerte Beiträge zu dieser „Studie“ in den Medien seien hier übrigens zwei Blog-Beiträge des Fachmagazins FVW und von Uwe Frers erwähnt.

Stilelement 3: Hotelfälscher auskramen
Er war schon hinter der Milchglaswand, seine Stimme war elektronisch verstellt oder eine Journalistin traf sich konspirativ mit ihm am Flughafen – natürlich mit tief ins Gesicht gezogenem Schlapphut. Ferdinand K… Hotelfälscher.. packt aus! Ferdinand heißt eigentlich Frank und ist ein alter Bekannter von HolidayCheck. Über ihn hatten wir hier schon kurz berichtet.

TestergebnisStilelement 4: Geschlossene Bewertungsportale anpreisen
Gern und gut wird auch die Stiftung Warentest herangezogen. Das freut uns, denn wir haben dort im Test von Heft 5/2012 als Testsieger bei den „Hotelvermittlungsportalen“ abgeschnitten. Wir waren richtig gut darin, Fakes herauszufinden. Das findet auch die Redaktion von TEST  und benotet uns mit „Gut“. Andere haben diese Aufgabe nicht so gut erfüllt. Und ÜBERRASCHUNG: Geschlossene Bewertungsportale, die doch nur Bewertungen ihrer eigenen Kunden abbilden, schneiden in der Rubrik  zum Teil wesentlich schlechter ab.

Die Liste der Standards könnte man noch um ein paar weitere Punkte ersetzen. Etwa den enttäuschten Hotelier, für den alle anderen Schuld sind an schlechten Bewertungen, nur nicht die eigene gastgeberische Leistung. Oder Straßeninterviews (gerne auch am Anfang des Bericht): Nach drei Pro Hotelbewertungs-Statements kommt der zweifelnde Passant (meist männlich, Ende 50, deutscher Dialekt je nach Sendegebiet) oder…

…ach lassen wir das, denn das Telefon klingelt. Wahrscheinlich jemand, der Infos über Hotelbewertungsportale haben möchte.Und das ist keine Ironie: Ich gebe gerne auch heute noch jederzeit Auskunft, denn es besteht sehr viel Aufklärungsbedarf!

PS: Wann wird es eigentlich endlich den ARD Ratgeber Miami, ARD Ratgeber N.Y. und Navy ARD Ratgeber geben?