Hallo zusammen, die MoHo – Motorradhotels haben mich nach Österreich eingeladen, um bei Ihrer GV über die Themen Kundenbewertungen Chancen und Nutzen zu sprechen. Das werde ich hier aber nicht weiter ausführen.Die Reise hatte es allerdings in sich, was mich dazu bringt, hier einfach mal einen kleinen Bericht zu schreiben.Seit längerem bin ich mal wieder mit NikiFly geflogen. Charmante junge Damen in knappen Jeans mit pinken Leibchen und sehr merkwürdigen („Homer Simpson Fettwanst“) Mützen servieren recht appetitliche Sandwiches mit österreichischer Freundlichkeit. Bis dahin wunderbar (ich habe mich ernsthaft gefragt, ob da Niki Lauda höchstpersönlich die Security Instructions im Video liest).

Ich überspringe jetzt mal die Mietwagenfahrt in tiefster Nacht mit idiotischem „NeverLost“-Navi, das mich durch Dörfer und nicht mehr enden wollende Wälder geschickt hat. Im Scheinwerferlicht hätte ich beinahe eine halbe Wildsaisonkarte „aus eigener Jagd“ mit Inhalt versorgen können. Auf dem Rüsselsheimer Grill wären beinahe gelandet: eine halbe Wildschweinfamilie, zwei Füchse, eine Katze und ein Marder (oder ähnliches).

Endlich angekommen beim Hotel habe ich mich auf das „Wohlfühlhotel“ richtig gefreut. Der Internetauftritt unspektakulär aber ansprechend. Anscheinend neu aufgemacht, moderne schöne Zimmer, genau mein Geschmack. Mulmiges Gefühl: Es war noch nicht bei HolidayCheck bewertet…*schluck*… Egal! (fataler Gedanke).

Angekommen bei der Rezeption hat mich der sympatische Hotelier begrüßt und mir gleich meinen Zimmerschlüssel in die Hand gedrückt. Das Hotel hat bis dahin einen super schönen Eindruck gemacht: Viel Holz, viel Natur, schöne Steine und Fliesen…

Kaum hinter der Feuertür zum Zimmerflur überkam mich allerdings eine dumpfe Ahnung, welche mich schon bei diversen TV Beiträgen in Hotels heimgesucht hat. Der Anblick der Zimmertür ließ mich etwas stutzig werden. Kaum geöffnet dann der suchende Blick nach dem Kartenstecker: Fehlanzeige! Bei vorsichtigem Tasten fand sich dann ein Lichtschalter in meiner Hand, welcher mich unglaublich an das alte Haus meiner Großeltern erinnert hat… Klick… Schauder… Ohje!

Ich bin tatsächlich in einem Zimmer gelandet, das sich erfolgreich aus den 70ern in unsere Zeit gerettet hat. Rosa Wände, blaue Auslegeware (das trifft es wohl am ehesten), Holzbettwandkombi mit Intarsien, Glaslampen neben dem Bett wie damals bei Oma im Gästeklo. Und dann kam das Bad: Museumsreif! Auf den ersten Blick sauber, aber auf den zweiten Bilck mit einigen Mängeln, die nicht annehmbar sind (Fugen schwarz, Duscharmaturen defekt etc.).

Ich rate ja immer jedem, sich im Hotel sofort zu melden, wenn das Zimmer nicht den Wünschen entspricht, damit der Hotelier eine Chance hat, dem Gast ein passendes Zimmer zu geben… Walk the Talk… Beim Hotelier aufgelaufen: Ausgebucht. Keine Chance. Nächstes Hotel in 15 km Entfernung. Das wollte ich dem hiesigen Wildbestand aber nicht antun.

Also, in den sauren Apfel beißen, zwei Abhärtebierchen eingelegt und ab ins Zimmer.
In so etwas war ich schon lange nicht mehr… Halleluja. Am Beistelltisch musste sich mein Computer die Steckdose mit dem Mäusekino-TV teilen. Denn das war die einzige Steckdose im Zimmer. Telefon im Zimmer: Fehlanzeige. Der flauschige Bademantel von der Homepage… auf der Homepage.

Nungut. Endlich im Bett angekommen habe ich festgestellt, dass die Matratze und auch der Bettzeug neu und sehr komfortabel waren. Wenn da nicht meine Füße gute 5 Zentimeter über das Bett herausgereicht wären (und ich bin ja kein Hüne).

Kurzum: Nach einer Nacht mit wenig Schlaf habe ich nach dem Frühstück die Gattin des Hoteliers angesprochen, ob Sie mir ihr Haus zeigen könne. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass alles außerhalb meines Zimmers toll war und die Zimmer dann so einen Kontrast bilden.

georg_motorradhotel_2Und siehe da: Die Zimmer im renovierten Teil waren fantastisch. Tolles Konzept, schöne Gestaltung, gute Ausstattung. Genau das, was man erwartet hätte, wenn man die Homepage liest.
Die Gastgeberin hat mir dann erklärt, dass sie immer noch viele Gäste haben, die bewusst nach den alten Zimmern fragen und dass natürlich investitionsbedingt nicht das ganze Haus auf einmal renoviert werden konnte.
Der Geschmack jedes Einzelnen ist natürlich beim Zimmer verschieden. Ein Hotelzimmer muss nicht schlecht sein, nur weil es einrichtungsmäßig nicht dem Mainstream folgt, oder schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Das entscheidet jeder Gast selbst.

Wir haben uns dann lange unterhalten, ob es sinnvoll ist, bei ihrem Hotel weiterhin die alten Zimmer weiterzuziehen, oder ob sich das Hotel nicht eindeutiger positionieren könnte, wenn es auf eine Budget-Holzklasse verzichtet und dort schrittweise die Renovierung nachzieht. Mein Eindruck war, dass es dann von Haus aus ganz transparent kommuniziert werden muss, welche beiden Zimmerstandards im Haus vorhanden sind, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Wie auch immer ist eine Sache klar: Auch in der Holzklasse sind Mängel an der Einrichtung für mich ein Tabu.
Es lässt sich viel mit Freundlichkeit und Herzlichkeit bei den Gästen ausgleichen und das können die beiden Gastgeber wirklich gut, aber solche Mankos hindern meiner Meinung nach einen Gast daran, sich wirklich zu Hause zu fühlen.

Ich wünsche dem Hotelierpaar auf jeden Fall viel Erfolg mit ihrem Hotel. Es liegt zwar sehr abgeschieden, hat aber auch den Vorteil für deren Zielgruppe (Motorradfahrer und Erholungsgäste) gerade durch diese idyllische Abgeschiedenheit zu punkten.
Wenn ich wiederkomme, dann in eines der neuen Zimmer :). Sobald die Hotelbewertung freigeschaltet ist, verlinke ich hier natürlich!

Jetzt würde mich natürlich interessieren, welche drei Aspekte Euch Lesern am wichtigsten sind, die ein Hotelzimmer zu einem „guten Hotelzimmer“ machen:

Für mich:
Sauberkeit + gutes Badezimmer + angenehme Beleuchtung

Nachtrag:
Auf dem Rückflug (wieder mit Niki) wurde diesmal das Sandwich serviert von einem etwas hageren jungen Mann, auch mit rosa Leibchen. Nicht nur, dass seine Durchsagen die Lautsprecher lautstärkebedingt zum verzerren brachten, auch sein gewählter Duft sorgte bei Betreten des Fliegers und Servieren der Getränke bei vielen Fluggästen für sichtliches Unbehagen. Ich hab’s nicht über’s Herz gebracht ihn darauf anzusprechen. Vielleicht an dieser Stelle eine Bitte an alle Flugbegleiter, Eau de Toilette oder Parfum nicht als chemische Kampfstoffe einzusetzen, sondern um ihre (oder seine) Erscheinung positiv zu unterstreichen.