Scheinbar trafen da (Urlaubs-)Welten aufeinander. Ein Hotelier, ein Reiseveranstalter, unser Schweizer Topuser sowie ich als Vertreter von HolidayCheck. Kürzlich an einem Abend in der Sihlcity von Zürich. Der Club der Schweizer Reisejournalisten, die sich selbst Swiss Travel Writer nennen, hatte seine Mitglieder und einige Gäste eingeladen, um über Stellenwert und Seriosität von Internet-Bewertungsplattformen wie HolidayCheck & Co zu diskutieren.

Thomas Frei vom Hotel Bernerhof in Gstaad gehört noch zu den Skeptikern. Die eigenen Gäste sollen gefälligst auf seiner eigenen Homepage versammelt sein. Und überhaupt findet er es eigentlich feige (ja, das Wort fiel), wenn seine Gäste nicht gleich zur Rezeption gehen und ihre Beschwerde dort abgeben. Okay, eine echte Bescherde sollte natürlich wirklich gleich bei der Rezeption eingehen. Schließlich soll der Urlaub nicht mit einem Magengeschwür enden. Doch geht es nicht um Hotelbeschwerdeportale sondern um Hotelbewertungsportale. Unsere Urlauber schreiben Erfahrungen auf, geben einen Gesamteindruck vom Hotel wieder und haben den einen oder anderen Tipp für den nächsten Gast auf Lager. Damit gehe ich doch nicht zur Rezeption!

Hotelier Frei verneinte noch mit einem Schmunzeln, dass seine imposanten grauen Haare nichts mit dem Ärger um schlechte Bewertungen zu tun hätten. Dafür gibt’s eh absolut keinen Grund. Der Bernerhof in Gstaad wird zu 100 Prozent weiter empfohlen und kommt bei HolidayCheck auf 5,9 Sonnen. Was will er mehr?

Sein eigenes Fazit lautete: Die Hoteliers müssen in Zukunft wohl mit Bewertungsplattformen leben. Ich merke, gerade in der Schweiz tun sich noch viele Hoteliers schwer damit, dass ihre Häuser anonym von ihren Gästen beurteilt werden. Ähnlich läuft’s bei Reiseveranstaltern.

Erich Mühlemann, Leiter von Vögele Reisen, sagte selbst, dass er Bewertungen für seinen Hoteleinkauf nutzt. Trotzdem gab er sich noch zurückhaltend. Er stellt als Reiseveranstalter nur Bewertungen seiner eigenen angebotenen Häuser ins Netz und vertraut lieber nur den Gästen, die auch nur bei ihm gebucht haben.

Unser Schweizer TopUser Nils Conradi – er hat bisher 41 Bewertungen geschrieben – erzählt, was ihn zu den vielen Berichten motiviert. Eigentlich völlig simpel: er profitiert von den Erfahrungen bisheriger Gäste und will deshalb seine eigenen Erlebnisse weitergeben. Und so geht das immer weiter. Geradezu eine Spirale.

Letzlich trafen eben doch keine Welten aufeinander. In der Sihlcity diskutierten diejenigen, denen die weltweite Öffentlichkeit noch nicht so ganz geheuer ist und diejenigen, die diese Plattformen besonders aktiv nutzen. Bei den Jounalisten und Gästen aus der Tourismusbranche war am Ende klar: Hotelbewertungen werden auch in der Schweiz immer selbstverständlicher Bestandteil des Tourismus werden.

Foto: Niklaus Stauss