Bodensee. Sommerzeit ist Hauptsaison und die beste Zeit für eine Bodensee-Radtour. Urlauber in Radprofi-Outfit oder simpler Freizeitkluft sausen auf den asphaltierten Wegen rund um den See. Bodensee-Radtour mal anders? Warum? Gerade auf der deutschen Seite – am Nordufer – ist es oft voll wie an einem verkaufsoffenen Sonntag.  Dagegen ist die Südseite des Sees weniger ausgelastet. Das liegt nicht etwa am Schweizer Franken-Kurs. Der wirkliche Grund ist eher banal.

Die Touristen blinzeln bei einer Bodensee-Radtour auf der Nordseite am Wasser in die Sonne. Am Südufer wird ihnen nur der Rücken gewärmt. Wem asphaltierte Wege, ewiger Seeblick und Scharen von Radtouristen auf Dauer zu langweilig sind, für den habe ich einen besonderen Tipp. Für mich der schönste, weil abwechslungsreichste Radweg am See. Von Konstanz nach Romanshorn. Aber nicht unten am See entlang. Nein, auf dem Seerücken.

Abfahrt Konstanz, Schweizer Bahnhof. Der Thurbo-Zug der SBB Richtung Weinfelden fährt stündlich um x.21 Uhr nach Siegershausen. Einfache Regel für die Fahrradkarte der SBB: Sie kostet immer so viel wie die eigene Fahrkarte. Oder: Wenn Kinder nichts zahlen, kostet eben auch das Rad nichts.

Bodensee-Radweg 82

Ankunft Siegershausen. An der nahen Straße entdecken wir die geniale Beschilderung in der Schweiz. Wir nehmen den Bodensee-Radweg 82 Richtung Arbon, also nach links.  Das Tolle an diesem Weg ist, das er permanent leicht und manchmal steiler runter führt. Ich bedauere jedes Mal die Touristen, die mir entgegenkommen. Die ahnen gar nicht, dass sie permanent hochfahren müssen.Die Tour ist abwechslungsreich, Feldwege, Bauernhöfe, neugierige Kühe, schattige Waldwege, oft Blick über den Bodensee und der Zeppelin fliegt obendrüber.

Nach gut 20 Minuten erreicht man Illighausen. Mit Dorfgaststätte „Switzerland“ an der Kreuzung. Momentan leider geschlossen. Da gab es immer die erste Schocki und Croissants für die Kids. Weiter geht’s.

Immer bergab!

Immer stur Richtung Arbon, Radweg 82.  Auf Höhe Altnau bläst einem der Fahrtwind um die Ohren. Rasante Fahrt nach unten, Aug in Aug mit dem Bodensee.  Doch leider – Vorsicht!  Nach Dreiviertel des Weges zeigt die Beschilderung abrupt nach rechts. Der Weg wechselt wieder von Waldweg auf Feldweg und zwischendurch auch mal asphaltiert. Durch Dozwil radeln und wieder in den Wald. Und nun aufgepasst! Der Waldweg stößt direkt auf einen Stapel Holz. Rechts weiter nach Arbon. Links nach Romanshorn. Wer jetzt nach Romanshorn radelt, macht einen großen Fehler!!!

Einkehren in der Waldschenke

Leute, unbedingt 100 Meter dem Waldweg gen Arbon folgen und die Belohnung ist schon in der Nase zu schnuppern. Die „Waldschenke“, ein großer Biergarten unter hohen Bäumen, mit Grill, mit Bier, mit Apfelwein, mit Rivella blau, rot und so weiter. Geöffnet täglich bei schönem Wetter. Für die Eltern reihen sich Bank an Bank aneinander, Kinder toben auf dem großer Spielplatz und Reiter traben vorbei.

Später geht’s weiter nach Arbon oder wie heute runter nach Romanshorn. Zurück also an die beschriebene Gabelung, durch den Wald und immer geradeaus. Man landet direkt am Bahnhof Romanshorn. Mit Kindern zurück im halbstündlich verkehrenden Thurbo-Zug – bequem und mit Seesicht.

Wer mag, kann natürlich auch den Seeradweg zurücknehmen. Dazu ein Tipp, vor allem wenn Kinder dabei sind: Auf halben Weg liegt Güttingen. Kurz davor haben meine Kinder immer vom „verrückten Spielplatz“ gesprochen. Verrückt, weil er sich über die Jahre aufgebaut hat. Eine Seilbahngondel, ein Traktor, unzählige Bobbycars und viele Tiere, darunter Ziegen zum Streicheln. Einfach mal reinschauen ins Sünnehüsli. Aufgepasst: Es liegt nicht am ausgewiesenen Radweg, sondern parallel dazu. Ein kleines Holzschild weist den Weg …