Alcúdia! Wie, Alcúdia, da oben im Norden von Mallorca? Dort, wo die riesigen Hotels am Strand stehen und die Restaurants erst Beefsteaks und weiter südlich schließlich Schnitzel anpreisen? Freunde wunderten sich schon, weil wir bekannt dafür sind, uns eher kleinere Hotels auszuwählen. In Alcúdia? Klar doch!

Festungsanlage

Festungsanlage

Keine drei Kilometer landeinwärts zwischen der Bucht von Pollenca und der Bucht von Alcúdia liegt die Altstadt von Alcúdia, eben nicht zu verwechseln mit dem Stadtteil Port d‘Alcúdia. Beim ersten Besuch war ich platt vor Erstaunen. So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Eine komplette maurische Festungsanlage mit einer wunderschönen Altstadt. Diese Zinnen besetzte Mauer ist heute noch gut erhalten. Die Straßen sind eng und verwinkelt, Auto-Verkehr selten möglich. Darum parkt man vor der Stadt.

Innenhof Hotel Ca'n Simo

Innenhof Hotel Ca’n Simo

Also, rein in die Stadt. Ein genialer Ruhepol nach Strandtag oder Rummel in anderen Orten, die man sich schließlich auch mal anschauen sollte. Gewohnt haben wir in dem klitzekleinen Hotel Ca’n Simo. Gerade einmal sieben Doppelzimmer bietet dies Haus. Selbst das angeschlossene Restaurant „S’Arc“ – morgens als Frühstücksraum genutzt – bietet wie abgezählt 14 Sitzplätze. Zusätzlich gibt es noch den bestuhlten Innenhof, in dem ein Brunnen vor sich hinplätschert.

Das WLan funktioniert nicht wirklich, also wird empfohlen, in die öffentliche Bibliothek im benachbarten Herrenhaus aus dem 14. Jahrhundert zu gehen. Dort  kommt man aus dem Staunen kaum heraus, welch edle Bücherei es in Alcúdia gibt. Erst später erfahre ich, dass sie als die modernste der Balearen gilt. Sie wurde nach dem Vorbild der Stadtbibliothek Gütersloh von der Bertelsmann Stiftung errichtet und bis heute gefördert.

Restaurant Ca'n Costa

Restaurant Ca’n Costa

Schon einmal Kaninchen mit Garnelen gegessen? Auch das ist mallorquinische Küche.  In der Altstadt von Alcúdia gibt es zwar jede Menge Restaurants. Ich empfehle aber dringend, in die eher einsamen Gässchen zu gehen. Mein Lieblingslokal wurde schließlich das „Ca’n Costa“ unweit vom Hotel.

 

Rechnung

Rechnung

Leider gibt es auch in dieser Stadt Abzocke. In der „Sa Taverna“ hatten wir am ersten Abend gut gegessen, die Rechnung kam, schnell die diversen Bestellungen gecheckt  und bezahlt.  Wir hätten tatsächlich nachrechnen müssen.

Am zweiten – lauwarmen Abend – hatten wir spät noch Lust auf’n Rotwein. Wieder „Sa Taverna“. Bloß diesmal lediglich eine Flasche Rotwein und eine Flasche Wasser. Das kann man noch flugs rechnen. Ach, aber was stand auf der Rechnung? Wein plus Wasser addiert. Korrekt wie auf der Menükarte.

Dann die 10 Prozent Mehrwertsteuer, hier IVA genannt drauf. Wie, drauf? Ist doch inklusive? Ja, eigentlich. Den Kellner zur Rede gestellt, druckste er herum und sagte, dass die neuen Menükarten eigentlich schon im Dezember fertig sein sollten, da gebe es neue Preise. Mangels Karte würde man nun die IVA einfach obendrauf setzen. So eine hanebüchene Erklärung habe ich noch nie gehört. Da hilft auch nichts, dass sich das Lokal schützt, indem die Rechnung provisorisch genannt wird. Also — immer wieder aufpassen!

Übrigens: Rummel gibt’s in der Altstadt von Alcúdia auch: Immer dienstags und sonntags. Da ist Markttag und die Reisebusse und die Linienbussen spucken scharenweise Touristen aus. Für diese Tage noch ein kleiner Tipp für Paare, die einen ruhigen Einheimischen-Strand mit nettem Lokal suchen:  Von Alcúdia über Port d’Alcúdia geht’s runter Richtung Can Picafort, einem völlig deutschsprachigen Badeort. Direkt am Anfang von Can Picafort liegt ein Kreisverkehr, der auch eine Abzweigung nach Richtung Capellans hat – also Richtung Strand. Vorbei an flachen alten Ferienhäuschen endet der Weg an der Strandbar „Ponderosa“.  Da kann man wunderbar mit Sand an den Füßen und Blick auf die Bucht abhängen…