Hurra, die Narren sind wieder los! Aber nicht überall in Deutschland wird die 5.Jahreszeit gleich gefeiert. Andere (Bundes-) Länder, andere Sitten! Konstanz, Köln und Veen – das sind die „Places to be“, sagen Nadja, Ina und ich! Wir berichten euch heute, wo und wie wir die närrischen Tage am liebsten verbringen.

Juliane beim Kölner Karneval

Kölle Alaaf!

Mein „erstes Mal“ durfte ich bereits vor über 10 Jahren genießen. Und ich muss sagen: Ich war auf Anhieb verliebt in die rheinische Frohnatur!! Als gebürtige Schleswig-Holsteinerin kannte ich höchstens mal einen Faschingsball in der Schule. Viel mehr wird in Norddeutschland nicht geboten! Im Laufe der Jahre hat es mich dann immer wieder nach Köln gezogen – zuletzt durfte ich die Domstadt sogar meine Heimat nennen. Karneval ist dort ganz einfach JECK! Start der 5. Jahreszeit ist schon am 11.11 um 11.11 Uhr, so richtig gefeiert wird aber natürlich erst drei Monate später.

An Weiberfastnacht (Karnevalsdonnerstag) nehmen die närrischen Frauen das Zepter in die Hand. Sie dürfen den Männern nach Belieben ihre Krawatten abschneiden, als Symbol für die männliche Entmachtung 😉 Ganz leer gehen die Männer aber nicht aus: Belohnung für den verlorenen Krawattenzipfel ist ein Bützchen (Küsschen). Diese werden in Köln an Karneval generell sehr großzügig verteilt, sei es beim Straßenkarneval, in den zahlreichen urigen Kneipen oder beim Rosenmontagszoch. Es wird jebützt, was das Zeug hält!

Kölner Rosenmontagszoch

Über 1 Million Zuschauer kommen am Rosenmontag zum absoluten Höhepunkt in die Domstadt. Bunte Motivwagen ziehen durch die Straßen, typisch kölsche Gassenhauer schallen aus den Lautsprechern und überall hört man ein ausgelassenes „Kölle Alaaf!“. Profis haben beim Zoch einen extra großen Beutel dabei, denn jetzt prasseln kiloweise Kamelle (Süßigkeiten) und bunte Strüssche (Blumen) auf einen herab! Wer danach noch Energie hat, feiert kräftig weiter, im bunten Getummel auf der Straße oder in den Kneipen bei viel Kölsch und lauter Musik – bis in die frühen Morgenstunden. Am Aschermittwoch ist dann alles vorbei – höchste Zeit, sich Gedanken über das Kostüm fürs nächste Jahr zu machen! 😀

Nadja bei der Fasnacht

Ho Narro, ihr Mäschgerle!

In Konstanz (gesprochen „Konschdanz“) gehört die fünfte Jahreszeit zum alteingesessenen Kulturgut! Die schon fast historischen Fasnachtsvereine achten penibel auf die Einhaltung und Fortführung ihrer Werte und Traditionen. Schon die ganz Kleinen lernen in frühester Kindheit den Umgang mit Hexen, lauten Tröten und gruseligen Masken. Denn eine Tradition lautet, dass am Schmotzge Dunschtig (kommt übrigens nicht von schmutzig, sondern von fettig) nach dem Wecken der Bewohner um 5 Uhr morgens durch fröhliche Guggenmusik, die Kindergärten und Schulen der Stadt von den Narrenzünften „befreit“ werden.

Anschließend wird dem Bürgermeister der Rathausschlüssel abgenommen, so dass dem bunten Treiben nun kein Einhalt mehr zu gebieten ist. Weiter geht es mit dem traditionellen Narrenbaumsetzen der ortsansässigen Zimmerei. Werden diese aber nicht mit ausreichend Verpflegung versorgt, wird gestreikt statt gestemmt.

Straßenfasnacht in Konstanz

Je auffälliger die Verkleidung, desto besser. Selbstgenähte Kostüme – das ist es, was man in den Straßen bestaunen kann. Dabei ist alles erlaubt: Tiere, Märchenfiguren, Filmstars,…Bei den Zünften ist der größte Unterschied zu anderen Regionen in Deutschland erkennbar. Statt Pappmascheewagen sieht man in Konstanz in erster Linie Hexen, Monster und gruselige Maskenträger. Bei den Umzügen werden nicht nur Guezle (Bonbons) in der Menge verteilt, sondern junge Mädchen in schwindelerregende Dreh-Käfige gesteckt oder mit stinkender Hexen-Salbe eingeseift. Schuhe gut zuschnüren ist ein wertvoller Tipp für die Konstanzer Straßenfastnacht, nicht selten müssen die Narren sonst ohne Schnürsenkel weiterfeiern.

Gefeiert wird in Konstanz auf der Straße, an Fasnacht haben die Narren das Sagen. Aus Garagen werden Besenwirtschaften, aus Busfahrern werden DJs, offenes Haus für jedermann. Fasnacht in Konstanz ist auch die Zeit der großen Wiedersehen. Alle Weggezogenen oder vorübergehend woanders Wohnenden zieht es an den närrischen Tagen zurück in die Heimat. So treffen sich alte Bekannte und lange nicht Gesehene wieder in den bunten Straßen der Stadt. In diesem Sinne, Ho Narro an alle Mäschgerle!

Ina beim Karneval in Veen

Helau!

Wenn die Bienen und Teufel auf das Fliegerlied tanzen und die Kleinen und Großen am Zug mit einer Schnupp-Tüte (Süßigkeiten) stehen und „Helau“ rufen, dann ist es wieder soweit! Kaaarnevaaal! Aus allen Ecken kommen Karnevalswütige jedes Jahr gleich verkleidet: Engel und Teufel, Biene Majas und Frösche. Um 11:11 Uhr geht der Rosenmontagszug im kleinen Dorf Veen los. 56 originelle Wagen, schöne Fußgruppen und zahlreiche Musikzüge sorgen für eine eindrucksvolle Kulisse. 20 000 Karnevalsfans tummeln sich in einem Dörfchen mit gerade mal 1900 Einwohnern.

Schon bei der Kostümierung gibt’s das erste Schnäppschen: „Schmotze“ ist ein Muss! Das ist selbstgemachter Likör aus Wodka, Maracujasaft, Sahne und Vanillezucker. Frisch gestärkt geht’s dann ab zum Zug! Wir sichern uns die perfekte Position ganz vorne, um ein paar Süßigkeiten und vor allem Schnäppschen zu kassieren. Jeder von uns hat ein „Pinneken“ um den Hals gebunden, um so das ein oder andere „Schnappstauschgeschäft“ durchzuführen 😉

Zug in Veen

Und schon kommt der erste Wagen und alle schreien „Helau“ – der, der am lautesten ruft, wird mit Süßigkeiten beworfen bzw. erschlagen. Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn man die Leuten vom Wagen kennt und die ein oder andere Zusatzleckerei erhaschen kann! Sehnsüchtig warten wir also jedes Jahr auf Wagen Nummer 46 und das Team unseres Freundes Kalle. Ab 16 Uhr geht’s dann ab ins Dorfzelt! Dort trifft man sich nach dem Zug, um fröhlich das Tanzbein zu schwingen. Lange halte ich es aber nie aus, der Tag ist einfach viiiiiiel zu lang…