Stefan Reichl tat das, wovon viele nur träumen: Er wanderte nach Ägypten aus, um dort als Geschäftsführer eines Hotels zu arbeiten. 2010 wird „The Breakers“ eröffnet – ein Wassersport-Lifestyle-Resort direkt am Roten Meer. Anfang 2011 wird Ägypten von politischen Unruhen erschüttert – Urlauber sind verunsichert, Hotels bangen um ihre Gäste. Gut ein Jahr ist nun seit dem Beginn der Revolution in Ägypten vergangen – Zeit für uns, direkt vor Ort bei Stefan Reichl nachzuhaken, wie sich das Leben im Land der Pharaonen und vor allem im „The Breakers“ denn so gestaltet.

Warum hast du dich denn eigentlich für ein Leben in Ägypten entschieden?

Stefan Reichl

Vor Jahren war ich General Manager auf einem Nil-Kreuzfahrtschiff und in der Direktion des Robinson Clubs in Soma Bay. Ich habe Land und Leute kennen und schätzen gelernt. Das war auch eine wesentliche Motivation, das Angebot als Direktor im „The Breakers“ anzunehmen. Dazu kommt, dass ich hier eigene Ideen viel schneller und unkomplizierter umsetzen kann als in großen Organisationen oder beispielsweise in Deutschland. Auch meine Vorstellungen von Service und Gastfreundschaft sind mit der Dienstleistungs-Mentalität der hiesigen Kollegen besser zu verwirklichen.

Wassersport-Lifestyle-Hotel – was genau bedeutet das?

Es gibt die traditionellen 4 Sterne und unsere 4 „Leisure-Sterne“. Ja, es ist richtig, dass wir hier ein einzigartiges Konzept entwickelt haben. Es sind 4 Sterne, die wir so formuliert haben, dass sie einerseits vom Anspruch in die klassische Hotellerie, anderseits aber auch mit dem Freizeit- und Genussverhalten unserer modernen, lifestyle-orientierten Zielgruppe gerecht werden. Wir haben Bügelfalten, Krawatte und Gala-Dinner durch Attribute aus dem Lebensgefühl der Surfer, Kite-Surfer und Taucher ersetzt.

Wer den ganzen Tag in der Natur Sport macht, der will sich abends lieber lässig entspannen und nach dem Abendessen bei cooler Musik auf Liege-Sitzgelegenheiten mit Blick übers Meer ein Bier trinken. Wir haben bewusst den 4-Sterne Status gewählt, um dem hohen Niveau, auf dem wir Wassersport anbieten, ein ebenfalls hohes Hotelniveau gegenüber zu stellen.

Warum denkst du, landet „The Breakers“ bei HolidayCheck immer wieder auf Spitzenpositionen?

Das Internet speist sich im Wesentlichen aus den Beiträgen von Gästen. Diese Gäste sind es auch, die uns die Preise der Online-Portale gewinnen lassen. Insofern danken wir unserer Online-Community, dass sie das Internet als eine wunderbare Möglichkeit nutzen, uns und der interessierten Öffentlichkeit ein Feedback über unsere Arbeit zu geben. Als Dankeschön haben wir uns jetzt eine Aktion überlegt: Bis Ende 2012 gibt es die Möglichkeit, auf der Facebook Seite von „The Breakers“ und dem „7Beaufort-Kitehouse“ eine Woche Aufenthalt für zwei Personen bei uns zu gewinnen.

In Ägypten kommt es Anfang 2011 zur Krise, die Nachrichten sind voll von Negativschlagzeilen über Ägypten…

Nicht Ägypten macht Negativschlagzeilen. Es sind einzelne Ereignisse, getragen von hohen Emotionen. Diese Ereignisse beschränken sich vornehmlich auf Nord-Ägypten. Andererseits kann die Demokratisierung eines Landes auch positiv gesehen werden. Letztlich bin ich fest davon überzeugt, dass ein stabiler Tourismus in Ägypten zu Einkommen und relativem Wohlstand bei vielen Ägyptern führt.

Alle Buchungen bringen Geld zu den Familien sehr vieler Ägypter, von den unmittelbar Angestellten im Hotel bis zu dem Gemüsebauern im Nildelta. Denn wenn die vielen Hotels kein frisches Gemüse mehr für ihre Gäste kaufen, verfallen die Preise. Deshalb bin ich der Überzeugung, dass jede Buchung in Ägypten die Demokratiebewegung unterstützt und somit politischer Umweltschutz ist.

Wie motiviert man seine Mitarbeiter während so einer „Zeit der Revolution“?

Stefan in Action

Als das Auswärtige Amt vor Reisen nach Ägypten warnte, gingen die Buchungen kurzzeitig stark zurück. Im Glauben, dass eine Demokratisierung letztlich immer etwas Gutes ist, habe ich in dieser Zeit intensiv mit meinen Mitarbeitern gearbeitet. So haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und sind besser denn je auf ein volles Haus vorbereitet.

Natürlich gab es auch die wirtschaftliche Seite. Gehälter zahlen ohne Einnahmen ist nicht so einfach. In diesem Punkt konnte ich mich aber auf den Eigentümer verlassen, der im Vertrauen zu mir steht und die Gehälter sicherte. Strategisch ist uns sehr daran gelegen, die Mitarbeiterfluktuation möglichst gering zu halten, um unsere spezielle Ausrichtung stets auf hohem Niveau zu halten.

Genauso fühle ich mich natürlich meinen Mitarbeitern gegenüber verpflichtet, ihnen bei all den Herausforderungen während und nach der Revolution beizustehen.

Was rätst du Touristen, die noch etwas zögerlich sind mit der Planung eines Ägypten-Urlaubs?

Touristen, die planen, in der Region Soma Bay Urlaub zu machen, müssen sich keinerlei Sorgen machen. Während der ganzen Zeit der Revolution ist die Gegend um Hurghada und südlich davon auf hohem Niveau dem Tourismus verpflichtet. Gäste fühlen sich hier bei uns in Soma Bay sicher, weil sie sicher sind.

Wie lautet dein persönliches Resümee für das Jahr 2011?

Das letzte Jahr war hier in Ägypten das Jahr des Umbruches, mit dem Bestreben in Einklang mit sich und seiner Umwelt zu kommen und neue Prinzipien für die kommenden Jahre zu finden. Für mich persönlich war es das Jahr der Wertschätzung. Wert zu schätzen, dass Freiheit, Friede und Toleranz einige der höchsten Güter überhaupt sind!!!

Noch mehr Eindrücke könnt ihr im Artikel „Reisebericht: Ägypten“ von Userin Janina sammeln.